Es wäre falsch, das Wort „ausgelutscht“ in Bezug auf das Rieder 3-3-3-1 zu verwenden. Dass es aber auf Dauer nicht ausschließlich mit einem Plan... Kaderanalyse SV Ried – Im Zeichen taktischer Neuerungen

Es wäre falsch, das Wort „ausgelutscht“ in Bezug auf das Rieder 3-3-3-1 zu verwenden. Dass es aber auf Dauer nicht ausschließlich mit einem Plan A gehen wird, weiß man im Innviertel. Der Kader wird somit auf die Kompatibilität eines Systems mit Viererkette abgeklopft.

 

 

Tormänner 

Unumstrittene Nummer eins im Kasten der Innviertler ist Thomas Gebauer (30). Der gebürtige Deutsche kann ein absolut sicherer Rückhalt für die Mannschaft sein. Allerdings versagen ihm ab und an die Nerven. Gegen den PSV Eindhoven machte er einen Ausflug und besiegelte die hohe 0:5-Niederlage, in der Liga kamen die Patzer, als darüber diskutiert wurde, ob er wohl aufgrund seines langen Aufenthalts in Österreich eine Option auf die Einserposition im Nationalteam sein könnte. Darunter litt seine Reputation und somit scheint es, dass der 30-Jährige ein solider, aber keinesfalls außergewöhnlicher Schlussmann ist. Er ist ein sicherer Rückhalt mit dem einen oder anderen Aussetzer.

Als Ersatz steht Wolfgang Schober (23) bereit. Bis zur U19 war er bei Bayern München, dann bei Red Bull. Der große Durchbruch gelang aber nicht, weswegen er sich über Hartberg für die Bundesliga empfehlen wollte. Schober ist derzeit ein solider Zweiergoalie, hat Vertrag bis 2015 und soll Druck auf Gebauer ausüben. Alles in allem ist das keine unschaffbare Aufgabe. Es ist die Frage, ob er dies schon in dieser Saison machen kann und dann, ob er auch durchhält und sich aufdrängt, Gebauer zu beerben. Als Nummer drei wurde Ivan Lucic (17) verpflichtet. Der in Brčko geborene gebürtige Bosnier spielte bisher bei dem Post SV und Stadlau, ehe er in die Akademie der Austria wechselte, von wo ihn die SV Ried verpflichtete.Wie bei allen sehr jungen, dritten Goalies stehen die Chancen auf einen Einsatz natürlich schlecht. Im Fußball kann es aber auch schnell gehen.

Große Sorgen muss sich die SV Ried nicht machen. So lange Gebauer seine Fehler minimiert oder in Spielen macht, die nicht zu gewinnen sind, ist alles in Ordnung und mit Schober steht ein guter Ersatz bereit.

Die Abwehr 

Welche österreichische Abwehr beherrscht Dreier- und Viererkette? Richtig, kaum eine. Abwehrchef ist Thomas Reifeltshammer (24). Der Mann mit dem Gardemaß 1,88 Meter ist trotz seiner junges jungen Alters ein sehr guter Abwehrchef und kann seine Abwehr vorzüglich einteilen. Mit drei Treffern in der letzten Spielzeit bewies er auch des Öfteren seine Torgefährlichkeit. Neben ihm ist Jan-Marc Riegler (24) gesetzt. Der Braunauer ist ein Kämpfer, der auf eine faire Art und Weise weder sich, noch den Gegner schont und ein wichtiger Faktor im Defensivkonzept. Noch dazu ist er recht flink, eine gute Ergänzung zu Reifeltshammer. Der dritte, etatmäßige Innenverteidiger, Maximilian Karner (22), ist aufgrund eines Bandscheibenvorfalls noch außer Gefecht. Hier ist man also noch etwas unterbesetzt, auch wenn Neuzugang Mario Reiter auch zurückgezogen werden kann. Dazu wurde noch Eigengewächs Philipp Rensch (18) in den Profikader beordert. Rensch wurde schon in die U18 und U19 des ÖFB einberufen und ist ein Versprechen für die Zukunft, auch wenn ihm mit 68 Kilo auf 1,82 Meter Körpergröße sicherlich noch ein bisschen zur Bundesligareife fehlt.

Die Außenpositionen, egal ob in einer Dreier- oder Viererkette, können Emmanuel Schreiner (23) oder Thomas Hinum (24) übernehmen. Letzterer würde wohl im Falle einer Viererkette auf der rechten Abwehrseite auflaufen, auf links wäre Andreas Schicker (26) gesetzt. Der Linksverteidiger ist ein solider Arbeiter, der bei Wiener Neustadt in der vergangenen Saison gute Leistungen brachte. Offensive Wunderstücke sind zwar nicht zu erwarten, aber ein Verteidiger muss primär hinten dicht machen.

Ried ist gut aufgestellt. Für sie spricht die allgemeine taktische Flexibilität in der Defensive. Das Beherrschen eines fluiden Defensivkonzeptes scheint im Land des 4-4-2 einzigartig und kann auch auf internationaler Ebene Sturmreihen unlösbare Aufgaben stellen.

Das Mittelfeld 

Was taktische Flexibilität betrifft, ist hier das Rieder Mittelfeld auch vorbildlich. Dreh- und Angelpunkt in der abgelaufenen Saison war Anel Hadžić (22). Er netzte nicht nur gegen Bröndby unwiderstehlich, sondern auch sieben Mal in der Bundesliga. Nach Florian Maders überraschendem Abgang übernahm er die Sechserrolle, als ob er sie immer schon ausgefüllt hätte. In seiner Zunft ist er in Österreich sicherlich einer der Besten. Mit Mario Reiter (25) gibt es nun eine weitere Alternative. Der gebürtige Steyrer, der bei Pasching und Schwanenstadt groß wurde, überzeugte seit 2008 in Wiener Neustadt. Die drei Saisontreffer in der abgelaufenen Spielzeit sind angesichts des extrem defensiven Spiels des SCWN und nur 26 Treffern insgesamt ein guter Wert. Und ausschließlich junge Spieler einzusetzen, macht wenig Sinn. Einer dieser Jungen ist Gernot Trauner (20). Ried holte ihn vom LASK, obwohl er noch nicht zu hundert Prozent fit ist. Trauner gilt seit Jahren als eines der größten Talente im defensiven Mittelfeld und wird im Innviertel sicherlich noch diese Saison seine Chance bekommen, das auch zu beweisen. Neben Schreiner und Hinum lieferte auch Marcel Ziegl (19) viele gute Partien auf einer der drei Positionen in der zweiten Dreierkette ab. Der Jungspund bewies nicht nur, dass Qualität nicht vom Alter abhängt, sondern auch, dass er nach vorne arbeiten kann, legte drei Treffer in 23 Spielen auf. Eine weitere Alternative ist der 19-jährige Patrick Möschl, der aber behutsam an die erste Mannschaft herangeführt werden soll.

Im offensiven Mittelfeld gibt es sehr viele Alternativen. Große Chancen auf den Stammplatz im linken, offensiven Mittelfeld hat Marco Meilinger (20). Die Leihgabe aus Salzburg verlängerte den Kontrakt. Er ist nicht der zweikampfstärkste und ihm fehlt noch der unwiderstehliche Zug zum Tor, aber er kann das Spiel aus der Tiefe gestalten. Auf der anderen Seite könnte sich Clemens Walch (24) in den Vordergrund spielen. Der Dribblanski kam über die AKA Tirol und die RB Juniors zum VfB Stuttgart, konnte sich aber dort, beim 1. FC Kaiserslautern und zuletzt bei Dynamo Dresden nicht durchsetzen. Walch hat tolle Anlagen, aber mit 24 Jahren ist es nun an der Zeit, diese auch zu beweisen, will er sich nicht in die Liste derer eintragen, die ihr Talent verschwendeten. Konkurrenz könnte er von Markus Grössinger (22) bekommen. Der rechte Mittelfeldspieler spielte zuletzt bei Vöcklamarkt, sammelte davor schon beim SV Grödig Erfahrung im Profifußball. Eine weitere Alternative ist Ivan Carril (27). Für den Spanier wird es eine schwierige Saison, sein Vertrag endet im Juni 2013 und bis dahin muss er beweisen, dass er für Ried unverzichtbar ist. Selbiges gilt für Nacho Rodríguez (29), der aber mit 33 um elf Einsätze mehr hat, als Carril.

Der Sturm  

Für die Einserposition wurde Rene Gartler (26) von Rapid Wien geholt. Der Stürmer ist technisch beschlagen, bislang stand ihm im Weg, dass die Hütteldorfer seit Jahren immer wieder noch einen Stürmer holten. Bei der SV Ried ist es nun so, dass man ihn mit dem Vertrauen ausstattet, die Einserposition zu bekleiden. Gartler muss vor dem Tor kaltschnäuziger werden, das Vertrauen, welches in ihn gesetzt wird, muss bestätigt werden. Er selber wird auch wissen, dass es ohne Tore auch wieder zurück in die Regionalliga gehen kann, die er schon 2003 zum ersten Mal verlassen hatte. Beim 26-jährigen Spanier Guillem könnte nun derselbe Text stehen, wie bei seinen Landsleuten. Drei Tore und nur zwei Spiele in der Liga über die volle Distanz sind zu wenig. Anhaltende Hüftprobleme und eine damit einhergehende Operation im Februar haben Markus Hammerer (22), Rieder Cupfinalheld von 2011 lange zurückgeworfen, ab Juli will er wieder voll angreifen. Als dritter Stürmer steht noch Robert Zulj (20) bereit. Er kam in 28 Ligaspielen zum Einsatz, kam 17 Mal von der Bank und verbuchte sechs Treffer, dazu noch zwei im Cup. Wenn er seine Form beibehält, ist er sicherlich eine gute Alternative für die Startelf. Zulj ist spritzig und bewegt sich viel, kann auch alleine die Abwehrreihe beschäftigen.

Der Sturm ist halbwegs gut besetzt. Gartler muss seine Anlagen endlich umsetzen, Zulj, der die Nummer zwei ist, seine guten Leistungen bestätigen. Der Spanier Guillem spielt entweder um einen neuen Vertrag oder will ohnehin weg. Wie seine Leistungen sein werden ist wie bei Hammerer nicht gut einschätzbar. Dieser ist rekonvaleszent.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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