Es herrschte große Euphorie um den WAC/St. Andrä in Kärnten und nach dem 0:0 in der Vorwoche gegen Aufstiegsaspriranten SCR Altach sollte nachgelegt werden....

Es herrschte große Euphorie um den WAC/St. Andrä in Kärnten und nach dem 0:0 in der Vorwoche gegen Aufstiegsaspriranten SCR Altach sollte nachgelegt werden. Doch trotz später Führung siegten in einem kampfbetonten Spiel die Lustenauer letztlich verdient mit 2:1 (0:0).

Die Heimmannschaft aus dem Lavanttal führte die Tabelle vor dem Spiel mit 45 Zählern an, war in der laufenden Saison nie schlechter als Zweiter. Im klassischen 4-4-2 schickte Nenad Bjelica sein Team rund um Topscorer Christian Falk auf das Feld. Helgi Kolvidsson setzte dem ein 4-2-3-1 entgegen, allerdings ohne Spielmacher Sascha Boller, denn dieser saß eine Gelbsperre ab. Bis jetzt gab es in dieser Spielzeit ein 3:3 im Lavanttal und ein 1:1 in Lustenau. Insgesamt hatten die Spiele dieser zwei Mannschaften immer einen guten Drive. Wenn die Austria noch ins Aufstiegsrennen eingreifen wollte, musste ein Sieg her. Der Rückstrand auf die Tabellenspitze betrug schon zehn Punkte. Allerdings war das Unterfangen ein schwieriges, der WAC hatte zuvor das letzte Mal am 4. März 2011 ein Heimspiel verloren. Aber 90 Minuten mussten erstmal gespielt werden. Pünktlich um 20 Uhr 30 pfiff Schiedsrichter Andreas Feichtinger das Spiel an.

Guter Beginn

Die Kärntner fingen mit mächtigem Dampf an, zunächst fiel Jacobo nach nur 25 Sekunden zu theatralisch im Strafraum, nur ein paar Augenblicke später traf Stephan Stückler aus fünf Metern gut positioniert das Leder nicht. Der WAC nahm die Favoritenrolle an, Lustenau musste in der Anfangsphase weit hinten agieren. Die Defensive war anscheinend aber noch in der Kabine. Die Austria fiel zunächst lediglich durch einige harte Einstiege auf. Auffällig war allenfalls, dass beide Teams die spielerische Linie bevorzugten, teilweise mit One-Touch-Football agierten. In Minute neun folgte dann eine dieser typisch gefährlichen Aktionen, wenn der erste Sturmlauf nichts einbringt: Ein langer Ball, zwei gewonnene Zweikämpfe und Winter-Neuzugang Pierre Boya schlenzte nach gutem Zuspiel am Sechzehner stehend die Kugel geschickt auf Gerald Krajic. Dessen Schuss fiel aber zu zentral und schwach aus. Damit war die Austria aufgewacht. Zu erkennen war, dass beide spielen wollten.

Aufregung, aber nicht am Feld

Das Spiel plätscherte nach der gefälligen Anfangsphase munter dahin, der Aufreger war aber an der Seitenlinie. Nach einem harten Einstieg von Nenad Jovanovic in der 13. Minute ging bei WAC-Coach Bjelica erstmals der Blutdruck hoch. Der Freistoß, zentral und gut 20 Meter vor dem Tor, war auch gefährlich. Insgesamt wogte das Spiel allerdings zwischen den Sechzehnern mehr oder weniger ansprechend hin und her. Lustenau hatte sich aber in die Partie hineingebissen und verbuchte viele gewonnene Zweikämpfe. Schiedsrichter Feichtinger entschied in der Folge auch sehr viele Fouls zu Ungunsten der Heimmannschaft, Bjelica nahm dies mit Unmut auf. Ebenso die gelbe Karte für Stephan Stückler in der 20. Minute. Kurz darauf folgte ein Foul im Mittelfeld von Rechtsverteidiger Manuel Kerhe, der seinen Ballverlust wett machen wollte, wieder Gelb. Seine Raunzerei sollte sich später noch auswirken. Das war zu viel für Coach Bjelica. Nach herber Kritik musste er auf die Tribüne– nicht zum ersten Mal in dieser Saison ging da sein Temperament mit ihm durch. Die erhitzten Gemüter wirkten sich in der Folge so aus, dass die Austria den mangelnden Spielaufbau des Heimteams gut ausnutzte, das Mittelfeld schnell überbrückte. Felix Roth (23.) und Jürgen Kampel (27.) kamen zu guten Chancen. Darüber hinaus bewiesen die Vorarlberger große taktische Disziplin in der Defensive, ließen hinten so gut wie nichts zu. Außer einem Falk-Kopfball nach Kehre-Flanke knapp über die Latte in der 33. Minute passierte nichts. Da hatte die Innenverteidigung nicht gut aufgepasst, stand die entscheidenden Zentimeter zu weit weg. Die letzte nennenswerte Szene vor der Pause war eine gelbe Karte für Peter Pöllhuber in der 39. Minute.

Lustenau besser aus der Kabine, dann wieder Langeweile

In der zweiten Halbzeit erwischten die Vorarlberger den besseren Start. Eher zufällig kam Boya aus halbrechter Position gut 20 Meter vom Tor entfernt zum Abschluss. Sein flacher Außenristschuss ging nur Zentimeter am Katen von Goalie Dobnik vorbei. Die Lustenauer weiteten taktische Disziplin und wohl abgewogene Härte zu Beginn der zweiten 45 Minuten auch auf die Offensive aus. Nun waren die Gäste auch vorne nah am Mann und setzten den WAC in deren Hälfte unter Druck. Aber: Um die weitgehende Langweile der ersten Halbzeit zu unterstreichen: Den ersten Eckball gab es in der 49. Minute. Dieser war aber – so wie eigentlich alle Standards – sehr ungefährlich. Nach dem Ländle-Strohfeuer verflachte die Partie wieder zusehends. Harald Dürr holte sich in der 52. Minute die Gelbe ab und das Spiel kehrte wieder dahin zurück, wo es in den ersten 45 Minuten größtenteils war: ins Mittelfeld. So diszipliniert die Spieler beider Mannschaften in der Defensive agierten, so ungenau waren in weiterer Folge die Offensivaktionen, gespickt mit technischen Fehlern. Das nächste Highlight war eine weitere Karte für Krajic. Benedikt Zech verbuchte mit einer weiteren wieder einen Aufreger in der 62. Minute.

Turbulente Schlussphase wird eingeläutet

Markus Kreuz ersetzte in der 63. Minute WAC-Kapitän Gernot Messner und brachte frischen Wind. Der 34-jährige Deutsche hat 82 Bundesligaspiele und 166 Zweitligaspiele in seiner Heimat auf der Visitenkarte stehen. Kurz nachdem sich Boya seine Gelbe abgeholt hatte – die dritte im ebensovielten Spiel – klingelte es im Kasten der Gäste. Stückler tankte sich durch einen Doppelpass mit Falk in den Strafraum, legte perfekt auf den Spanier Jacobo ab und der schoss trocken aus acht Metern ein (66.). Wie immer galt: Macht man das Spiel schnell, wird es gefährlich. Um weiter brav ins Phrasenschwein einzuzahlen: Dieses Tor tat dem Spiel gut. Die Lustenauer verfielen keinesfalls in Lethargie, sondern warteten kurz ab, bevor sie zurückschlugen. In der 70. Minute ließ sich Jovanovic auf ein Ringerduell im Freistil mit Boya ein, der im Sechzehner von Roth bedient wurde. Der Kameruner fiel geschickt und Feichtinger und verhängte Gelb plus Strafstoß. Im Duell Gefoulter gegen Torwart erriet Dobnik zwar die Ecke, aber er war zu kurz, das Spiel ausgeglichen.

Austria legt nach

Kolvidsson wollte mehr, brachte Dursun Karatay für Krajic (74.). Auch die Kärntner wechselten zu Beginn der Schlussviertelstunde, Roland Putsche kam für Daniel Micic. Auch als Stückler für Topcagic Platz machte. Der Isländer legte weiter nach, brachte kurz darauf zeitgleich (80.) Thiago de Lima Silva und damit Stürmer Nummer drei. Im Gegensatz zum Umstellen der Vorarlberger blieb die Bjelica-Elf dem 4-4-2 mehr oder weniger treu. Nachdem Kerhe wegen eines nicht gegebenen Einwurfes das innere Rumpelstilzchen zum Vorschein brachte, flog er in der 82. Minute mit Gelb-Rot vom Platz. Ein dummer Platzverweis. Kurz nachdem Jacobo aus größerer Distanz knapp am Tor vorbeigeschossen hatte, trafen die Gäste zum entscheidenden 2:1. Thiago de Lima Silva netzte aus 18 Metern wunderbar ins rechte Kreuzeck (88.)

Fazit

Beide Teams bewiesen die Grundtugenden des Fußballspiels – taktische Disziplin in der Defensive und die notwendige Härte. Insgesamt zückte Schiri Feichtinger zwölf gelbe Karten, zwei davon für Kerhe. Offensiv ging über weite Strecken wenig bis gar nichts. In der Schlussphase bewies Helgi Kolvidsson aber mehr Mut zur Offensive und wurde mit drei Punkten belohnt.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

  • 20.März.2012 #1 Author

    Notwendige (?) Härte (die zu zwölf Gelben Karten führte) als Grundtugend des Fußballs anzusehen ist meiner Meinung nach absolut Out-Of-Date. Moderne, gut pressende Teams begehen in einer Partie manchmal nicht einmal halb so viele Fouls, wie in diesem Spiel Karten vergeben wurden! Und bekommen oft nicht einmal eine einzige Verwarnung! Weil sie gecheckt haben, dass sie im Team-Verband effektiver Verteidigen können. Weil sie gecheckt haben, dass jede einzelne Gelbe Karte eine Schwächung des eigenen Teams bedeutet. Und weil sie gecheckt haben, dass jeder Freistoß (vor allem in Strafraumnähe) eine große Gefahr für das eigene Tor darstellt. und schließlich heißt ja immerhin – nicht ganz umsonst – Fußball-SPIELEN und nicht Fußball-FOULEN, Stefan 

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