Mit Braunschweig und Mainz trafen am Dienstagabend in der Bundesliga zwei typische Konzeptteams aufeinander. Der Tabellenletzte Braunschweig gewinnt durch geschickte Anpassungen und etwas Glück... Starkes Spiel gegen den Ball und gefährliche Standardsituationen | Braunschweig besiegt Mainz mit 3:1

Eintracht BraunschweigMit Braunschweig und Mainz trafen am Dienstagabend in der Bundesliga zwei typische Konzeptteams aufeinander. Der Tabellenletzte Braunschweig gewinnt durch geschickte Anpassungen und etwas Glück bei den Standards, beim Europa-League-Aspiranten letztlich verdient.

Zeichnet Braunschweig vor allem eine hohe Vielzahl an Varianten im Spiel gegen den Ball aus, gelingt es Mainz darüber hinaus, auch durch unterschiedliche Offensivmechanismen immer wieder gute Leistungen gegen große Mannschaften der Liga, wie zuletzt bei der 0:2-Heimniederlage gegen die Bayern, zu zeigen. Für den Fußballfan weniger interessant, dafür umso für den Taktikinteressierten, was sich beide Trainer wohl einfallen lassen würden.

Lieberknechts 4-4-2 und die Mainzer Außenverteidiger

Lieberknecht wählte gegen die Mainzer ein 4-4-2 als Defensivformation, indem neben Stürmer Kumbela auch noch Nielsen nach vorne rückte, und beide immer wieder früh die Innenverteidiger anliefen. Dadurch konnten diese weder mit Ball am Fuß ins Mittelfeld laufen, noch waren wegen der guten Abstimmung im Anlaufverhalten bei den Braunschweigern Pässe ins Mittelfeld möglich. Hier stellten die beiden zentralen Braunschweiger Mittelfeldspieler in der Mittelfeldkette (Boland und Vrancic) Mannorientierungen zu Soto und Koch her, den beiden Sechsern der Mainzer. Aus diesem Grund rückte dann in Aufbauphasen Koch zwischen die Innenverteidiger, während Soto sich höher positionierte und der Mainzer Stürmer Malli, vom Spielerprofil eher ein spielender Stürmer, sich ins Mittelfeld fallen ließ, oder die Flügelspieler zur Mitte einrückten.

Auf diese Anpassungen hatte Braunschweig aber eine Antwort: sie verfolgten das Abkippen Kochs nicht, wobei die Stürmer die Zentrale Schnittstelle relativ offen ließen. Koch konnte diesen Passweg aber so gut wie nie nutzen, denn Boland und Vrancic blieben bei ihrer mannorientierten Spielweise, bzw. stellten den direkten Passweg auf Malli zu, indem sie diesen in ihren Deckungsschatten nahmen. Wegen der halb-breiten Positionierung der Braunschweiger Stürmer war aber auch ein Aufrücken der Innenverteidiger oder das von Koch selbst ins Mittelfeld mit Ball am Fuß nicht möglich.

Aus diesem Grund band Mainz seine Außenverteidiger Diaz und Pospech viel in den Aufbau mit ein. Malli schob dazu viel auf die linke Mainzer Seite zu Diaz und Soto, wo man gemeinsam mit Flügelspieler Chuopo-Moting versuchte Überzahl durch Überladungen herzustellen und so ins Mitteldrittel zu kommen.

Das funktionierte in der Regel auch relativ gut, nur ergaben sich wenige Möglichkeiten von dort direkt in die Spitze zu spielen. Mainz nutze deshalb sehr oft – u. a. vor der Flanke zum 1:1 Ausgleich – das Mittel der Verlagerung auf den tiefen Pospech, der am Flügel oft Raum vorfand, den er nach der Ballannahme dynamisch andribbeln konnte, weil der rechte Mainzer Flügelspieler Müller immer wieder zur Mitte einrückte und so Braunschweigs Außenverteidiger Reichel band. Der konnte aufgrund der aus der Tiefe nachstoßenden Malli und Chuopo-Moting seinen Gegenspieler nicht an die Innenverteidigung übergeben, weshalb Pospech immer wieder in Situationen freigespielt wurde, in denen er aus dem Halbfeld flanken konnte. Generell waren diese Bälle aber nicht wirklich gut und Braunschweig tat sich hier leicht beim Verteidigen. Ein Grund warum der Mainzer Trainer Thomas Tuchel diese Art der Einbindung der Außenverteidiger nutzte, war vermutlich die Tatsache, dass damit ein Kontern in offene Halbräume durch die Braunschweiger, die hier ihren Fokus im Angriffsspiel setzen, verhindert werden konnte. Phasenweise wich man von dieser Strategie auf der linken Seite ab, dann wurde Diaz aber konsequent vom zur Seite herausfallenden Soto abgesichert.

Braunschweig im Spiel mit Ball: schnelles Umschalten und wenig Risiko

Im Spiel mit Ball ordnete Lieberknecht eine Mischform aus 4-4-2 und 4-2-3-1 an. Dabei spielte Stürmer Kumbela seine Rolle horizontal und ausweichend. Er fiel nicht viel zurück, hielt seine Position in der Sturmmitte, zeigte aber auch Läufe auf den Flügel, um sich dort anspielbar zu machen. Dementsprechend war Nielsens Rolle an Kumbelas Verhalten angepasst: er schob viel in die Sturmmitte, wenn Kumbela auswich, und nahm sonst wenig am Spiel teil.

Weil Braunschweig, vor allem im Spielaufbau, wenig Risiko bezüglich eines möglichen Ballverlustes eingehen wollte, blieben hier schon beide Sechser hoch und die Innenverteidiger Bicakcic und Correia schlugen viele Bälle nach vorne. Zielspieler war meistens Kumbela in Verbindungen mit einem Flügelspieler, auf die diese Bälle geschlagen wurden. Über zweite Bälle wollte man dann zu Chancen kommen.

Eine weitere Variante über die die Braunschweiger kommen wollten, war die Spieleröffnung über die aufrückenden Außenverteidiger, die dann versuchten diagonal in die Mainzer Formation zu spielen. Steil-Klatsch-Kombinationen über wenige Stationen sollten den gewünschten Erfolg und Abschlüsse aus der zweiten Reihe bringen. Dass die Außenverteidiger dort tatsächlich Räume vorfanden, in die sie dribbeln konnten, lag auch an der Spielweise der Flügelspieler  Hochscheidt und Elabdellaoui, die sich viel in den Halbraum bewegten und so den Flügel öffneten. Ein weiterer Grund war zudem die
4-2-3-1-Defensivformation der Mainzer, mit der sich Thomas Tuchel in erster Linie dafür entschied, gut gegen die langen Bälle der Braunschweiger zu stehen und bei zweiten Bällen keinen Nachteil zu haben. Es ergab sich dadurch zwar eine hohe vertikale Kompaktheit durch die vielen Abwehrlinien, die Breite des Platzes konnte aber insbesondere nach Verlagerungen nicht mehr ideal verteidigt werden.

Die Außenverteidiger der Braunschweiger versuchte man dann, nachdem diese den Ball erhielten, am Flügel zu isolieren, was auch recht gut gelang, sodass Braunschweig aus dem Spiel zu wenigen, bis gar keinen Chancen kam.

So fielen die ersten beiden Braunschweiger Tore auch nach Standards. Der Rückstand allerdings zwang Mainz dazu im Verlauf des Spiels aktiver zu pressen und weniger abwartend zu spielen, was wiederum Raum für Braunschweiger Konter öffnete.

Fazit

Und warum war der Sieg für Braunschweig jetzt verdient? Letztlich deshalb, weil ihr Spiel gegen den Ball Mainz so gut wie keine Chancen erlaubte und in seiner Intensität, aber auch den Abläufen, sehr stark ausgeführt war. Dass Braunschweig selber kaum Chancen aus dem Spiel hatte, ist sicherlich nicht zu leugnen, wobei hier den Mainzern ein Kompliment gebührt, die es geschafft haben, den Braunschweigern ihrer Stärke – dem Umschaltspiel – zu berauben. Die andere Braunschweiger Stärke – die bei Standards – zahlte sich letztlich aus.

Tobias Robl, www.abseits.at

Tobias Robl

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