Lange Zeit sah es nach einem Unentschieden aus, da beide Teams das Zentrum versperrten und mittels vertikaler Kompaktheit den Gegner zu langen Bällen zwangen.... 1:0 über Schweden: Eder sichert Squadra Azzurra vorzeitiges Weiterkommen

Fußball in Italien - Colosseum_abseits.atLange Zeit sah es nach einem Unentschieden aus, da beide Teams das Zentrum versperrten und mittels vertikaler Kompaktheit den Gegner zu langen Bällen zwangen. Ein später Treffer von Italiens Eder verhinderte das zweite torlose Remis in dieser Europameisterschaftsendrunde.

Taktische Ausrichtungen

Grundsätzlich verkörperte die Partie einige signifikante Charakteristika des bisherigen Turnierverlaufes: Zentrumsfokussierung, hohe vertikale Kompaktheit, viele lange Bälle und wenig Intensität im letzten Drittel.

Schweden stellte sich mit und gegen den Ball in einem 4-4-2- bzw. 4-4-1-1-Mittelfeldpressing auf. Ibrahimovic und Guidetti positionierten sich neben De Rossi und nahmen in dadurch aus dem italienischen Aufbauspiel. Dahinter stand eine kompakte Viererreihe um die beiden Sechser Ekdal und Kallström, welche sich relativ tief positionierten und Kontakt zur Innenverteidigung hielten. Die Außenpositionen wurden von Larsson und Forsberg bekleidet, die sich  bei eigenem Ballbesitz  breit, bei gegnerischem Ballbesitz eng positionierten. Dadurch konnten sie weiträumige Läufe der beiden italienischen Halbverteidiger Chiellini und Barzagli im Keim ersticken und potenziell gefährliche Ablagen auf die Außenspieler verhindern.

Italien wartete wie gegen Belgien im 5-3-2 gegen den Ball bzw. 3-5-2 in eigenem Ballbesitz auf. Florenzi ersetzt Darmian als linken Wingback, ansonsten gab es keine personellen Veränderungen zu verzeichnen. Florenzi und Candreva schoben bei eigenem Ballbesitz auf Mittelfeldhöhe und stellten so eine 3-5-2-Formation bei eigenem Ballbesitz her. Giaccherini und Parolo schoben etwas weiter nach vorne und versuchten mit den häufig zurückfallenden Mittelstürmern Pelle und Eder Kombinationen anzustoßen. Wie gegen Belgien bedienten sich die Italiener langer Bälle um für Gefahr und Durchschlagskraft zu sorgen. Die beiden Wingbacks spielten dabei eine besondere Rolle. Entweder rückten sie weit auf und wurden von Bonucci tief in der gegnerischen Hälfte bedient, oder sie blieben relativ tief auf Mittelfeldhöhe, banden sich früh in den Aufbau ein und schlugen selbst lange diagonale Bälle auf die regelmäßig in den Strafraum vorstoßenden Sechser Giacherini und Parolo.

Die Schweden taten sich schwer einen konstruktiven Spielaufbau zu betreiben. Bereits früh wurden die „three crowns“ auf die Außen geleitet und dort isoliert. So mussten sie-wie die Belgier- das Leder in der ersten Linie von Außenverteidiger zu Außenverteidiger zirkulieren lassen. Die Passmuster ähnelten der von Pep Guardiola gefürchteten U-Form. Kallström

Somit beidente sich das Team von Erik Hamren einer Vielzahl langer Bälle auf Zlatan Ibrahimovic, was auf Grund unvorteilhafter Staffelungen auch nicht immer erfolgsstabil funktionierte. Idee dahinter: Guidetti sowie der ballnahe Flügelspieler positionierten sich eng an Zlatan und versuchten auf Durchbrüche zu lauern oder die zweiten Bälle einzusammeln.

2. Halbzeit

Italien kam mit einer deutlich höheren Intensität aus der Kabine und streute häufiger hohe Pressingphasen ein. Der Angriffsreihe genügte es nun nicht mehr das gegnerische Aufbauspiel zu leiten, sondern versuchte die Schweden aktiv zu Fehlern zu zwingen. Auch im Gegenpressing zeigte sich das Team von Antoni Conte deutlich aggressiver und konnte so einige schnelle Angriffe nach Ballgewinnen initiieren.

Außerdem wurden die Flügel überladen. Die beiden Wingbacks schoben weiter nach vorne, währende der ballnahe Sechser sich situativ ebenfalls Richtung Außenlinie orientierten. Der ballferne Sechser rückte dann in die letzte Linie auf, De Rossi besetzte den Rückraum und diente als Verlagerungsoption. Bis Mitte der zweiten Hälfte konnte die Squadra Azzura ihre Angriffe mit mehr Dynamik und balancierterem Freilaufverhalten vortragen, ohne letztendlich erfolgsstabil Chancen zu kreieren. Dies lag auch vor allem an der weiterhin sehr tiefen Positionierung der beiden schwedischen Viererketten, welche den Zwischenlinienraum selten freigaben und sehr kompakt standen.

Mitte der zweiten Hälfte beruhigte sich die Partie wieder. Beide Mannschaften rannten abwechselnd gegen die gegnerische Abwehrreihe an, wobei die Schweden etwas an Präsenz im Zwischenlinienraum gewannen, sich jedoch selten über einen längeren Zeitraum im letzten Drittel festsetzten konnten. Ibrahimovic ließ sich phasenweise in die Halbräume zurückfallen um Bälle zu sichern, es fehlte aber an erfolgsversprechenden Offensivstaffelungen und entsprechendem Nachrückverhalten, um Konterversuche effektiv zu Ende zu spielen.

Gerade als es schien das sich beide Teams mit dem torlosen Remis abgefunden haben, konnte Eder nach einer schönen Einzelaktion den entscheidenden Führungstreffer markieren.

Fazit

Italien sichert sich durch den zweiten Sieg in Folge den Gruppensieg. Sie zeigten über weite Strecken die reifere Leistung, spielten geduldig und bewiesen einmal mehr das sie einen unangenehmen Gegner darstellen. Allerdings waren sie in der zweiten Hälfte gerade in der Vertikalen nicht mehr so kompakt gestanden wie gegen Belgien. Schweden konnte zu selten die erste Pressinglinie überspielen und in den Zwischenlinienraum eindringen, zeigten aber das auch die Italiener zu knacken sind. Insgesamt präsentierten sich die Schweden in ihrem 4-4-2 zu eindimensional um wirklich gefährlich zu werden. In einer Partie, welche die aktuelle EM sehr gut charakterisiert, siegten die Italiener somit alle in Allem verdient.

Marius Kaltwasser, abseits.at

Marius Kaltwasser

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