Am zweiten Spieltag der UEFA Europa-League-Gruppenphase traf die Wiener Austria im Auswärtsspiel auf den AEK Athen. Dabei wurde im Vorfeld des Spieles gegen den... Analyse: Austria verpasst knapp Sieg in Athen

Am zweiten Spieltag der UEFA Europa-League-Gruppenphase traf die Wiener Austria im Auswärtsspiel auf den AEK Athen. Dabei wurde im Vorfeld des Spieles gegen den griechischen Tabellenführer ein schwerer Gang erwartet. Zunächst schien es sich auch zu bewahrheiten und die Veilchen liefen einem 0:1-Rückstand hinterher. Jedoch gelang der wichtige Ausgleich noch vor der Pause und sorgte für die wichtige Moralspritze. Kurz nach Wiederanpfiff schlug man erneut zu und ging durch Tajouri sogar mit 2:1 in Führung. Nachdem man eine Druckphase von AEK mit tatkräftiger Mithilfe von Torhüter Pentz überstand, schien der Sieg in greifbarer Nähe. Ein unnötiger Ballverlust und der anschließende Konter kurz vor Schluss sorgten für den späten Ausgleich der Griechen, der darüber hinaus auch noch aus einer Abseitsstellung erzielt wurde. So musste man sich letztlich mit einem 2:2-Unentschieden begnügen.

Frische Kräfte für die Startelf

Cheftrainer Thorsten Fink nahm im Vorfeld die angekündigten Veränderungen in der Startelf für dieses wichtige Auswärtsspiel in Athen vor. De Paula, Tajouri und Monschein rutschten in die Mannschaft hinein und sollten frischen Wind ins Spiel bringen. Man formierte sich wie bereits im Spiel gegen Salzburg erneut in einem 4-1-4-1-System, legte die Spielanlage erneut etwas vorsichtiger an und wollte aus einer gesicherten Defensive heraus die Partie gestalten, ohne allzu viel Risiko einzugehen. Auf der Reise nach Athen hatte man auch einige Anpassungen im Gepäck mitgebracht, mit denen man sich auf den Gegner näher einstellte.

Die Wichtigste betraf wohl Flügelflitzer Pires, der aufgrund seiner tiefen Rolle gegen Salzburg überhaupt nicht zur Geltung kam und so keinen Beitrag für wichtige Entlastungsangriffe leisten konnte. Deshalb überlegte sich das Trainerteam dahingehend eine kleine Änderung, um sich der Stärke des Brasilianers im Umschaltspiel zu bedienen, auch wenn man mal etwas tiefer verteidigt. Diese sah dann folgendermaßen aus, dass Pires immer wieder vorne zocken konnte und stattdessen der zentrale Mittelfeldspieler De Paula stärker auf die linke Seite rausrückte, um quasi seine Arbeit defensiv zu erledigen. Das hatte den angenehmen Effekt, dass man damit auch den gegnerischen Außenverteidiger hinten band und dieser immer ein Auge auf Pires werfen musste oder sich keiner für ihn zuständig fühlte.

Ansonsten nahm auch das Spiel um den zweiten Ball einen wichtigen Part im Matchplan ein. Da sich der Rasen in einem katastrophalen Zustand befand und man nicht unbedingt das Risiko eingehen wollte einfache Ballverluste zu provozieren, wurden sehr oft über die Außenverteidiger bzw. generell aus der Defensive heraus lange Bälle gespielt und dann aggressiv hinterhergegangen. Auf dieses Mittel griff man auch deshalb vermehrt zurück, da AEK gerne weite Abstände zwischen den Mannschaftsteilen lässt – wenn man weiter vorne attackiert – da nicht konsequent mit der restlichen Mannschaft nachgerückt wird. Sonst griff man immer wieder zum bewährten Abkippen von Holzhauser zurück, der zusammen mit Torhüter und Innenverteidigung für tiefe Anspielstationen sorgen sollte.

AEK überrascht etwas mit passiver Spielanlage

Der Trainer des griechischen Vizemeisters schickte seine Mannschaft mit einer etwas veränderten Formation auf das Feld. Dadurch, dass Flügelspieler Klonaridis verletzt ausfiel, rückte Kapitän Manatlos von der Zehn auf die linke Seite, während Stürmer Livaja seine Position als hängender Angreifer einnahm. AEK verteidigte aus einer 4-4-2/4-3-3 Anordnung heraus und wählte ebenfalls eine etwas abwartende Spielanlage. Die Stürmer positionierten sich ca. 25 Meter vor dem gegnerischen Tor und empfingen die Veilchen von dort aus. Ein Stürmer orientierte sich dabei immer wieder auf einen zentralen Mittelfeldspieler des Gegners und nahm diesen in lose Manndeckung, um diese Anspielstation zu versperren. Interessanterweise agierte man jedoch nicht so kompakt wie gewohnt, sondern wählte eine sehr gestreckte Formation, wodurch die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen sehr groß wurden. Dies hatte vermutlich den Hintergrund, dass man sich damit auf die punktgenauen langen Bälle von Holzhauser einstellte und diese damit unterbinden wollte, indem man ihm und den schnellen Offensivspielern keinen Rückraum anbot.

Ab und an attackierten die Griechen auch etwas weiter vorne und erzwangen den langen Ball, wobei sie es hier auf einen speziellen Spieler abgesehen hatten. Innenverteidiger Kadiri, der immer wieder für leichtsinnige Ballverluste zu haben ist, wurde als Ziel auserkoren und sollte sobald er den Ball erhielt unter Druck gesetzt werden. Dies sollte sich auch leider als richtiges Mittel herausstellen, da der junge Innenverteidiger dem Gegner den Gefallen tat und immer wieder in diese Falle tappte, was zu einigen haarsträubenden Ballverlusten im Verlauf der Partie führte. Im Ballbesitz zog man das typische Spiel auf, wofür AEK steht. Viele Flügelangriffe und eine Flanke nach der anderen, hin und wieder aber ergänzt durch Distanzschüsse. Darüber hinaus sollte sich Kapitän Mantalos immer wieder ins Zentrum hinein bewegen, um dann dort gemeinsam mit dem sich fallenlassenden Livaja mittels schnellen Kombinationen die Abwehr der Austria und deren Schnittstellen zu attackieren.

Zerfahrener Beginn und kaum spielerische Glanzlichter

Das Spiel begann zunächst etwas überraschend mit höheren Ballbesitzanteilen der Austria, da sich der Gegner wie bereits erwähnt zunächst etwas passiver verhielt. Die Veilchen wollten ihrerseits aber auch nicht so wirklich den Ball haben bzw. nicht so viel Risiko eingehen, weshalb kaum ein geordneter Spielfluss zustande kam, sondern der Kampf um den zweiten Ball im Vordergrund stand. Dadurch entwickelte sich ein ziemlich umkämpftes Spiel, in welchem keine der beiden Mannschaften zunächst gefährlich vor das gegnerische Tor kam. Die Austria merkte jedoch nach und nach, dass sich im Abwehrverbund der Griechen viele Löcher offenbarten und bespielten diese mit Fortdauer der Partie konsequenter. Dies hing vor allem damit einher, dass sich die Offensivreihe von AEK quasi von der Arbeit gegen den Ball abkapselte und sich kaum daran beteiligte. Das ermöglichte den Wienern, sich immer wieder auch in höheren Zonen vom Druck zu befreien und den freien Mann zu finden.

Daher war es zunächst nicht überraschend, dass die Austria das erste Ausrufezeichen in der Partie setzte. Nach einem tollen Pass von De Paula, bediente Pires Stürmer Monschein, der mit seinem Abschluss den gegnerischen Torhüter zu einer tollen Parade zwang, welcher den Ball an die Querlatte abwehrte. Erst danach wachte der Gastgeber etwas auf und tat nun mehr für das Spiel. Man lief die Gäste nun auch ohne Verzögerung aggressiver an und wollte sich den Ball vermehrt holen. Das fruchtete auch und man kam nun zu Torchancen. Cosic und Mantalos zwangen Torhüter Pentz zum Eingreifen, der zunächst noch auf den Posten war. Beim dritten Versuch war es jedoch dann soweit. Nachdem sich die Innenverteidigung ganz schlecht verhielt und gleichzeitig attackierte, steckte Mantalos den Ball auf Araujo durch, der zunächst an Pentz scheiterte, ehe Livaja den Abpraller verwertete.

Mit der Führung im Rücken zog sich AEK nun wieder etwas weiter zurück und überließ der Austria das Spiel. Die konnte damit zunächst wenig anfangen, da man noch etwas geschockt vom Ausgleich wirkte. Erst gemächlich wurde man etwas klarer in den eigenen Aktionen und speziell der überragende Holzhauser nahm immer mehr das Heft in die Hand. Aber auch Klein wurde in der Offensive wesentlich aktiver, was sich auch sofort bezahlt machte. Der Rechtsverteidiger bediente per Traumpass Pires, der auf die rechte Seite auswich und von keinem Gegenspieler übernommen wurde. Diesen Fehler bestrafte der Brasilianer auch sofort mit einem schönen Querpass, den Monschein zum 1:1 Ausgleich verwertete. Die Wiener schienen nun Morgenluft gewittert zu haben. Kurz vor dem Pausenpfiff kam Tajouri nach einem Corner zum Abschluss, jedoch parierte der gegnerische Torhüter diesen aufmerksam. Somit blieb es beim 1:1 Halbzeitstand.

Austria startet wie aus der Pistole geschossen und geht in Führung

Nach der Pause kamen die Gäste äußerst aktiv aus der Kabine heraus und schienen nun erkannt zu haben, dass in diesem Spiel noch mehr als nur ein Unentschieden drinnen war. Zunächst lief Pires aus einer aussichtsreichen Position auf das gegnerische Tor, wurde jedoch zu Unrecht zurückgepfiffen. Die Veilchen pressten jetzt auch wesentlich höher und wurden von Trainer Fink immer wieder lautstark aufgefordert, rauszurücken und vorne Druck zu machen. Diese aktive Herangehensweise wurde dann auch sofort belohnt. Nach einem schönen Antritt von Pires kam der Ball zu Tajouri, der von der Strafraumgrenze den Ball wunderbar ins lange Eck schlenzte und seine Mannschaft damit in Führung brachte.

Den Rückstand nahm jedoch nun der Gastgeber als Startschuss zum Anlass, um für eine eigene Drangphase zu sorgen. Man kam nun plötzlich fast im Minutentakt zu Torchancen und Torhüter Pentz musste immer wieder für seine Mannschaft retten. Die Vielzahl der Torchancen hatte jedoch nur bedingt was damit zu tun, dass AEK nun kreativer wurde. Eher brachte sich die Austria immer wieder durch unnötige Fehler selber in die Bredouille und brachte so den Gegner zurück in die Partie. Vor allem Innenverteidiger Kadiri erwischte einen rabenschwarzen Tag und war bei den vielen gegnerischen Torchancen sehr oft der Ausgangspunkt. Die Griechen drückten nun vehement auf den Ausgleich und den Veilchen gelang es kaum noch für Entlastung zu sorgen. Mit etwas Glück und einem starken Pentz überstand man jedoch diese Druckphase ohne Gegentor.

In den letzten fünfzehn Minuten der Partie schaffte man es sich nun wieder freizuschwimmen und den Gegner vom eigenen Tor fernzuhalten. Man ließ sich nun nicht mehr so tief fallen und attackierte weiter vorne, womit AEK überhaupt nicht zurechtkam und nun etwas hilflos wirkte. Trainer Jimenez versuchte noch einmal von außerhalb für einen Impuls zu sorgen, brachte eine zusätzliche Offensivkraft und veränderte das System zu einem offensiven 3-4-3. Auswirkung auf das Spiel hatte dies nicht wirklich und AEK fand keine Lösungen mehr gegen die Defensive der Austria. Bis zur verhängnisvollen 90. Spielminute. Friesenbichler leistete sich einen einfachen Ballverlust, De Paula verabsäumte es das taktische Foul zu machen, weshalb AEK einen schnellen Gegenangriff ausführen konnte und Livaja den 2:2 Ausgleich erzielte. Noch bitterer wurde es nur aufgrund der Tatsache, dass dieses Tor nach einer Abseitsposition fiel und nicht hätte zählen dürfen. Das kostete der Austria letztlich die drei Punkte und das Spiel endete mit einem 2:2 Unentschieden.

Fazit

Die Austria konnte also bei diesem schwierigen Auswärtsspiel einen Punkt aus Athen entführen, mit dem man im Vorfeld der Partie wohl hochzufrieden gewesen wäre. Man lieferte eine rundum ordentliche Performance ab, auch wenn hier und da in manchen Situationen etwas die Cleverness fehlte und man sich oft selber unnötig das Leben schwermachte. Letztlich war man sehr nah dran an dem Sieg und befreite sich erfolgreich aus der Druckphase des Gegners, um dann doch noch einen späten Gegentreffer zu erhalten, der zum Überdruss auch noch irregulär war. Dennoch ist dieses 2:2 wohl als leistungsgerecht einzuordnen, da die Griechen nach dem 1:2 Gegentreffer eine Vielzahl an Torchancen vorfanden und an dem erneut überragenden Pentz ein ums andere Mal scheiterten. Durch das Unentschieden bleibt man somit weiterhin im Rennen im Kampf um Platz Zwei und hat sich mit dem 2:2 obendrein eine gute Ausgangslage beim direkten Duell verschafft, welches noch wichtig werden könnte. Nun folgen zwei wichtige Spiele gegen den kroatischen Meister Rijeka, die Richtungsweisend für ein mögliches Überwintern in der UEFA Europa League werden könnten.

Dalibor Babic, abseits.at

Dalibor Babic