Die Admira bekommt es morgen mit ZSKA Sofia zu tun und trifft auf eine Mannschaft mit einem interessanten Österreich-Bezug: Der bulgarische Vizemeister wird nämlich... Der totale Personalwahnsinn bei Admira-Gegner ZSKA Sofia

Die Admira bekommt es morgen mit ZSKA Sofia zu tun und trifft auf eine Mannschaft mit einem interessanten Österreich-Bezug: Der bulgarische Vizemeister wird nämlich von Nestor El Maestro betreut, der wiederum von seinem Bruder Nikon El Maestro unterstützt wird. Die einstigen Jevtic-Brüder, die ihren Nachnamen auf El Maestro ändern ließen, wurden zuletzt mit Spartak Trnava überraschend slowakischer Meister und arbeiten sich jetzt über die bulgarische Liga weiter nach oben. Beide hatten zuvor unter anderem für den FK Austria Wien gespielt oder gearbeitet.

Die Möglichkeiten, die die „Maestros“ in der bulgarischen Hauptstadt vorfinden, sind jedenfalls größer als jene in Trnava. Der einstige Armeeklub wurde 31-mal bulgarischer Meister und hat diesen Anspruch trotz zehn Jahren Wartezeit und der Dominanz von Ludogorets Razgrad immer noch. In die Gruppenphase der Europa League oder des UEFA-Cups schaffte man es dreimal, wurde aber jeweils Letzter. Vor 30 Saisonen drang das Team bis ins Halbfinale des Cup der Cupsieger vor, scheiterte dort aber an Barcelona.

Karanga war nicht zu halten

Seinen Top-Spieler verlor ZSKA vor der Saison: Der brasilianische Mittelstürmer Fernando Karanga wechselte nach 23 Saisontreffern um 3,4 Millionen Euro zum chinesischen Klub Henan Jianye. Sein Ersatzmann Maurides, ebenfalls Brasilianer und zuletzt in Portugal bei Belenenses unter Vertrag, kostete hingegen nur 300.000 Euro. Alle anderen Transfers fanden ablösefrei statt.

Chaos nach Sieg gegen Riga

ZSKA Sofia spielte bereits eine Runde in der bulgarischen Parva Liga und schaltete in der vergangenen Qualifikationsrunde zur Europa League den FC Riga aus – allerdings erst im Elferschießen. Ein enorm kurioser Beigeschmack war dabei das Ende des Spiels: Bis zur Schlussminute hatten bereits zwei Spieler Gelb-Rot gesehen und die Teams waren auf je zehn Spieler reduziert. Nach (!) dem entscheidenden Elfmetertreffer von Kirill Despodov kam es noch zu Provokationen und einem Raufhandel im Zuge dessen vier weitere Spieler, darunter die ZSKA-Stützen Malinov und Bodurov, mit glatten roten Karten vom Platz gestellt wurden. Beide hatten zuvor im Elferschießen ihre Elfmeter verwandelt.

Schmerzhafte Ausfälle wegen Sperren und Verletzungen

Das Resultat daraus ist, dass ZSKA gegen die Admira große Personalsorgen haben wird. Rechtsverteidiger Manolev ist verletzt und auch der brandgefährliche Zehner Henrique fällt mit einem Schlüsselbeinbruch aus, den er sich gegen Riga zuzog. Die rote Karte für Kristiyan Malinov schmerzt extrem, zumal er das Passmetronom im zentralen Mittelfeld der Bulgaren ist. Der 24-Jährige, der zuletzt auch mit der Austria in Verbindung gebracht wurde, ist ein pendelnder Zehner und wohl der beste Spieler im Mittelfeld von ZSKA. Der 32-jährige Bodurov, der ebenfalls gesperrt fehlen wird, ist nicht nur Kapitän des Teams, sondern zudem ein sehr robuster Verteidiger und Abwehrchef des Teams.

Neuausrichtung der Innenverteidigung

Nestor El Maestro muss also zu allererst die Abwehr vor dem recht sicheren litauischen Schlussmann Vytautas Cerniauskas – nun mit 29 Jahren der große Routinier in der „neuen“ Truppe – umstellen. In der Innenverteidigung kommt nun eine wichtige Rolle auf den 195cm großen Bozhidar Chorbadzhiyski zu, der in die Rolle des Chefs schlüpfen muss. Der 22-Jährige hat aber das Zeug dazu, ist stets im erweiterten Kader der Nationalmannschaft und darf nicht als „Zweitlösung“ unterschätzt werden. Der neu verpflichtete Steven Pereira ist die logischste Option für die zweite Position in der Innenverteidigung. Der gebürtige Niederländer mit kapverdischen Wurzeln und Pass, kam vor der Saison aus Maastricht und dürfte den Vorzug gegenüber dem erst 17-jährigen Valentin Antov bekommen, den man anderweitig brauchen wird. Der 22-jährige Plamen Galabov gilt weithin als nicht stark genug, um eine ernsthafte Option zu sein.

Solide Außenverteidiger – aber teils mit Nervenproblemen

Auch der Slowake Boris Sekulic, der vor der Saison von Slovan Bratislava kam, ist eine Option um die Innenverteidigung zu stärken. Weil aber Manolev verletzt ist, weicht er auf die Position des Rechtsverteidigers aus, die er insgesamt eher tief anlegt. Auf der linken Seite ist der physisch starke Brasilianer Geferson schon eher ein Flankenläufer, allerdings nicht besonders effizient. Der Heißsporn ist gesetzt und zugleich auch ein Spieler, den man von Seiten der Admira ruhig ein wenig auf die Füße steigen könnte. Er ist bekannt dafür, schon mal die Nerven zu verlieren.

Kasachstan-Transfer in letzter Sekunde geplatzt

Das größte Problem betrifft aber die Zentrale: Malinovs Sperre ist die eine unangenehme Sache – das andere Problem ist, dass der spielstarke portugiesische Sechser Rúben Pinto heute (!) nach Kasachstan zu Irtysh Pavlodar wechseln sollte. Er wäre sozusagen nach Henrique und Malinov der dritte Ausfall in der Zentrale im Gerüst der Bulgaren. Allerdings entschied sich Irtysh aus finanziellen Gründen noch einmal um und Pinto bleibt nun doch. Er dürfte auf Malinovs Position nach vorne rücken und eine Art Achter-Zehner-Hybrid spielen. Fix ist zudem, dass der 23-jährige Neuzugang Janio Bikel die Acht besetzen wird. Der Portugiese mit guinea-bissauischen Pass kam vom niederländischen Klub NEC Nijmegen und gilt als laufstark und lästig, allerdings nach vorne ineffizient.

Auch der letzte verbliebene Kreativspieler ist gesperrt

Malinovs Ersatzmann sollte eigentlich der Portugiese Tiago Rodrigues sein. Der 26-Jährige spielte zuletzt eher als Rechtsaußen oder im Angriff, ist aber eigentlich ein Achter-Zehner-Hybrid, der nun auch als solcher funktionieren muss. Er ist ein torgefährlicher Offensivspieler mit gutem Auge für seine Mitspieler und Gefühl für Situationen – allerdings wird er in der Defensivarbeit und im defensiven Umschaltspiel viel stärker gefragt sein als sonst. Aber: Rodrigues wird man erst im Rückspiel sehen, denn auch er sah im zweiten Spiel gegen den FC Riga nach einer Notbremse Gelb-Rot! Statt ihm soll nun also Pinto ein Stück weiter vorne spielen und im Rückspiel zugunsten von Rodrigues wieder „eines nach hinten“ rücken.

17-jähriger Sechser vor großer Bewährungsprobe

Den defensiven Sechser-Part wird der 17-jährige Antov übernehmen, der als Innenverteidiger oder im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden kann. Das Top-Talent spielte diese Position mehrfach und muss nach den Veränderungen in der Zentrale praktisch fix spielen. Optionen, ohne einen Spieler positionstechnisch seines Zwecks zu entfremden gibt es im Grunde nicht mehr.

Gefahr über die linke Seite

Auch auf die Flügel haben die Ausfälle und Umstände Auswirkungen. Links ändert sich nichts, denn dort wird definitiv Jorginho, ein weiterer Portugiese mit guinea-bissauischen Wurzeln, starten. Der quirlige Linksaußen wird der gefährlichste Spieler der Bulgaren sein. Im Nachwuchs spielte der 171cm große Linksfuß von Manchester City und vor der neuen Saison kam er leihweise von Saint-Étienne. Rechts muss durch das Zurückziehen von Tiago Rodrigues wieder der 21-jährige Kirill Despodov spielen. Er ist aber vergleichsweise ein Spieler, den man einfacher verteidigen kann. Mit dem Ghanaer Edwin Gyasi gibt es noch eine weitere Alternative, aber er konnte bei ZSKA bisher überhaupt nicht überzeugen. Der defensive Fokus der Admira sollte also auf der rechten Seite liegen, um das unangenehme Gespann Geferson-Jorginho zu neutralisieren.

Starker Maurides noch lange nicht topfit

Im Angriff spielt der bereits bei den Transfers erwähnte Maurides. Der kopfballstarke Angreifer konnte bei seinem Ligadebüt gegen Lok Plovdiv bereits einmal einnetzen, allerdings stieß er erst vor zehn Tagen zum Team und ist noch nicht vollständig austrainiert. Im Gegensatz zum abgewanderten Karanga sollte er eine gute Klasse schwächer sein. Klar ist der 24-Jährige torgefährlich, aber auch ihn erwischt man noch zu einem guten Zeitpunkt.

Admira sollte stärker sein als ZSKA Sofia

Die ZSKA-Mannschaft, die in beiden (!) Partien auf die Admira wartet, ist eine äußerst untypische. Die voraussichtlich startenden Feldspieler haben ein Durchschnittsalter von gerade mal 22,9 Jahren und sind damit vermutlich sogar jünger als jene der Südstädter! Wenn wir die Ausfälle zusammenfassen, so fehlt ZSKA Sofia die halbe Mannschaft. Fünf Spieler, die sonst unumstrittene Starter sind, sind gegen die Admira nicht mit von der Partie. Vier davon auch im zweiten Spiel nicht. Und die nächste nicht zu verachtende Facette ist die, dass drei dieser fünf Spieler im letzten Spiel noch dabei waren. Trainer El Maestro muss also komplett umbauen und eine Mannschaft aus unerfahrenen, teils nicht topfitten und zudem zweckentfremdeten Spielern zusammenstellen. Auch wenn Admira-Coach Baumeister selbst sagt, dass auch die Admira noch nicht weit ist: Für uns sind die Südstädter bereits in Sofia Favorit!

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen