Red Bull Salzburg bekommt es heute im Europa-League-Playoff mit dem rumänischen Meister Viitorul Constanta zu tun. Der aktuelle Tabellenelfte der rumänischen 14er-Liga sollte für... Salzburg ist gegen „Hagis Kinder“ Favorit

Red Bull Salzburg bekommt es heute im Europa-League-Playoff mit dem rumänischen Meister Viitorul Constanta zu tun. Der aktuelle Tabellenelfte der rumänischen 14er-Liga sollte für die Bullen eine lösbare Aufgabe sein. Wir schauen uns die letzten Wochen und das Europacup-Standing, sowie die Mannschaft der Rumänen genauer an.

Sechs Spiele, fünf Punkte, nur ein Punkt Vorsprung auf den Relegationsplatz. Die Mannschaft von Rumäniens Spielerlegende Gheorghe Hagi hat die letzte Saison zweifelsfrei glamouröser bestritten als den Start in die neue Spielzeit. Seit mittlerweile fünf Partien erzielte Viitorul keinen Treffer mehr. Beim 1:0-Sieg über APOEL Nikosia im Hinspiel der 3.CL-Quali-Runde sorgte Cristian Ganea für den letzten Torjubel beim Meister. Somit wartet Viitorul bereits seit knapp 500 Minuten auf einen Torerfolg. Nur in zwei der bisherigen neun Pflichtspiele 2017/18 traf die Hagi-Elf. Gesamttorverhältnis 4:9.

Von Hagi als Talenteschmiede gegründet

Die Geschichte des jungen Klubs ist eine sehr interessante: Der rumänische Meister von 2007 wurde erst vor acht Jahren gegründet – und zwar von Gheorghe Hagi. Der einstige Star-Spieler, der unter anderem für Real Madrid und den FC Barcelona spielte, sowie 125-mal den rumänischen Teamdress trug, baute das Team rund um die modernste Akademie Rumäniens auf. Facilities, wie sie rund um die Nachwuchsschmiede von Viitorul bestehen, findet man in Osteuropa selten. In den Ligabetrieb stieg das Team ebenfalls im Jahr 2009 ein – mit der Lizenz des Drittligisten CSO Ovidiu.

Vom Gründer zum Trainer

Viitorul gelang innerhalb von nur drei Saisonen der Durchmarsch in die erste rumänische Liga. Trainer war zu dieser Zeit Catalin Anghel, während Hagi Vereinsbesitzer war und mit dem Trainerstaff noch nichts zu tun hatte. Später folgten noch Bogdan Vintila und der einstige Torhüter Bogdan Stelea, ehe Hagi im Oktober 2014 selbst das Zepter auf der Trainerbank von Viitorul übernahm.

Zweite Europacupsaison nach schwieriger Konsolidierungsphase

Vor der rumänischen Ligareform 2015 – die Liga wurde von 18 auf 14 Teams reduziert – gelang Viitorul der enorm wichtige Klassenerhalt. Im Jahr darauf qualifizierte man sich erstmalig für den Europacup, 2017 gelang der hartumkämpfte erste Meistertitel. Die diesjährige Europacup-Saison ist somit erst die zweite in der Vereinsgeschichte Viitoruls. Letztes Jahr schied man in der 3.Runde der EL-Qualifikation gegen KAA Gent aus: Nach einer glatten 0:5-Niederlage in Belgien gab es ein 0:0 zu Hause und damit den ersten Europacuppunkt.

CL-Quali-Aus auf Zypern

In der laufenden Saison stieg Viitorul in der 3.Qualifikationsrunde zur Champions League ein und konnte im Hinspiel den zyprischen Meister APOEL Nikosia biegen. Nach dem 1:0 im Heimspiel gab es jedoch eine 0:1-Auswärtsniederlage und schließlich eine deftige Packung in der Verlängerung auf Zypern. Am Ende stand es 0:4 und Viitorul wurde in die Europa-League-Qualifikation durchgereicht, wo mit Salzburg nun erneut ein undankbarer Gegner wartet.

Mehrere Stammspieler verloren

In den letzten Wochen musste das Team aus dem Umland von Constanta empfindlichen Aderlass hinnehmen. Mit Nedelcu, Benzar und Iancu verließen gleich drei Stammspieler den Verein. Auch ein möglicher Abgang von Linksverteidiger Ganea steht weiterhin im Raum. Da man sich auf die Ausbildung junger Talente spezialisiert, sind Transfers, die Ablöse kosten, derzeit nicht drin. Ein Nachrüsten wäre also nur bei einer möglichen Qualifikation für die EL-Gruppenphase möglich. Gegen Salzburg muss Hagi mit dem bestehenden Material arbeiten.

Starke Defensive

Die aktuellen Schlüsselspieler der Rumänen kommen noch nicht der Akademie, sondern sind zusammengesammelt. Es sind eher die Kaderposition 12 bis 20, die mit Eigenbauspielern aus der Gheorghe Hagi Akademie besetzt sind. Hervorzuheben sind bei Viitorul vor allem die Defensivspieler. Der bereits erwähnte Linksverteidiger Cristian Ganea gilt als heißer Kandidat für einen Wechsel in eine Top-Liga. Der 23-jährige Innenverteidiger Bogdan Tiru spielte sich über Viitorul ins Nationalteam, der französische Rechtsverteidiger Kévin Boli ist bereits seit zwei Jahren eine unumstrittene Stütze und auch der Torhüter Victor Rimniceanu gilt als solider Rückhalt. Der routinierte Innenverteidiger Marius Constantin könnte allerdings aufgrund fehlender Schnelligkeit zu einer Schwachstelle werden.

Probleme in der Mittelfeldzentrale

Probleme hat Viitorul im zentralen Mittelfeld, das aktuell nicht ideal besetzt ist. Der Spanier Dani López dürfte ebenso gesetzt sein, wie Sebastian Mladen, der einst im Nachwuchs der AS Roma kickte. Der vielversprechendste zentrale Mittelfeldspieler ist dennoch der erst 19-jährige Doru Dumitrescu. Die routinierte Neuverpflichtung Ovidiu Herea (32) konnte bisher nicht überzeugen und, dass der 18-jährige U21-Teamspieler Carlo Casap aufgrund eines Kreuzbandrisses fehlt, ist ebenfalls kein Nachteil für die Salzburger. Die Zentrale der Rumänen ist unterm Strich nicht variabel genug und sicher der Mannschaftsteil, in dem man Viitorul am Stärksten dominieren kann. Vor allem der Abgang des bisherigen Sechsers Nedelcu schmerzt sehr. Die Verbindung von Defensive und Offensive ist derzeit nicht gut ausgeprägt.

Solide Flügelspieler

Rechts außen ist das Vereinsurgestein Aurelian Chitu gesetzt, der bereits in der allerersten Saison – damals 18-jährig – mit dabei war und Viitorul mit 19 Saisontoren in die zweite Liga schoss. Über die Umwege Valenciennes, PAS Giannina und Astra Giurgiu kam Chitu im Sommer 2015 wieder zu Viitorul zurück und ist seitdem wieder gesetzt. Links hat Hagi die Wahl zwischen der 31-jährigen brasilianischen Neuverpflichtung Eric, der aber bisher noch keine guten Leistungen zeigte und dem 19-jährigen Florinel Coman, der trickreich und wendig ist und in der Meistersaison bereits einige Talentproben ablieferte.

Stoßstürmer Tucudean wieder mit von der Partie

Im Angriff ist der 26-jährige Marius „George“ Tucudean gesetzt. Dieser spielt erst seit wenigen Monaten für Viitorul und erzielte in zwölf Pflichtspielen fünf Tore. Beim 1:0-Heimsieg gegen APOEL in der CL-Qualifikation sah er Gelb-Rot, weshalb er im erfolglosen Rückspiel fehlte. Gegen Salzburg ist er wieder dabei. Ein Mittelstürmer-Backup gibt es bei Viitorul praktisch nicht – Tucudean kann am besten von Coman ersetzt werden.

Salzburg klarer Favorit

Red Bull Salzburg ist gegen Viitorul Constanta definitiv als Favorit zu werten. Die Salzburger sind – trotz Schwächung im Vergleich zur Vorsaison – das konstantere und komplettere Team als Viitorul, das fast zwangsläufig Leistungsträger an die großen Bukarester Klubs verlor und noch nicht stabil genug ist, um diese Abgänge gleichwertig abzufedern. Die Mannschaft von Gheorghe Hagi wird heuer in Rumänien Probleme haben, sich wieder für den Europacup zu qualifizieren und steht in einer Übergangssaison, in der wieder mehr Talente ein- und aufgebaut werden müssen. Für Salzburg dürfte das Los also ein Gutes sein. Das Hinspiel steigt heute um 20:45 Uhr in Rumänien.

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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