Vor einigen Tagen teilte der SK Rapid in einer Aussendung an die Abonnenten mit, dass es zumindest für die ersten Spiele im Herbst aufgrund... Stellungnahme der aktiven Hütteldorfer Fanszene zum Saisonstart 2020/21

Vor einigen Tagen teilte der SK Rapid in einer Aussendung an die Abonnenten mit, dass es zumindest für die ersten Spiele im Herbst aufgrund von Covid-19 behördlich vorgegebene Kapazitätsbeschränkungen geben wird.

Der Besuch der Heimspiele ist mit zahlreichen Einschränkungen verbunden. Zunächst einmal dürfen nur 10.000 Fans zu den Begegnungen kommen, die die strikten Abstandsregelungen einhalten werden müssen. Die gewohnten Sitzplätze werden teilweise nicht zur Verfügung stehen, da die Platzwahl mittels eine Vorauswahlrechts durchgeführt wird. Da keine Stehplätze von den Behörden erlaubt werden, muss der Block West, wie bei UEFA Bewerben umgerüstet werden.

Die aktive Hütteldorfer Fanszene gab nun eine Stellungnahme ab, in der erklärt wird, weshalb unter den gegebenen Voraussetzungen kein aktiver Support im Stadion stattfinden wird:

Rapidler!

Es ist kaum zu glauben, aber mittlerweile ist fast ein halbes Jahr vergangen, seitdem wir Seite an Seite im Stadion gestanden sind, um gemeinsam für den großen Sportklub Rapid Gas zu geben. In diesen sechs Monaten ist viel passiert und die gesamte Welt wurde aufgrund des Coronavirus bzw. seiner Begleiterscheinungen auf den Kopf gestellt.

Als mit dem sogenannten „Lockdown“ auch die Fußballwelt zum Stillstand kam, glaubten wohl nur die größten Optimisten unter uns daran, dass wir in absehbarer Zeit wieder ein Spiel im Stadion verfolgen werden. Die Ausmaße dieser globalen Krise wurden immer deutlicher und Österreichs Verantwortliche aus Politik und Sport entschieden sich nach mehreren Wochen dafür, die Saison in Form von Geisterspielen zu beenden. Eine Maßnahme, welche wir als aktive Fanszene bisher nur mit Sanktionen in Verbindung brachten.

Auch wenn die Beweggründe dieses Mal andere waren, fühlte sich die Tatsache, dass wir draußen bleiben mussten während in den Stadien der Ball rollte, genauso beschissen an wie immer. Aus diesem Grund haben wir uns auch mehrmals gegen die Fortsetzung der Saison auf diese Art und Weise ausgesprochen. Die Situation wurde unsererseits jedoch trotzdem nüchtern betrachtet. Uns war bzw. ist natürlich bewusst, dass sich die meisten Vereine in einer finanziellen Notlage befinden und bei gewissen Entscheidungen durch höhere Instanzen zu Passagieren degradiert werden. Deshalb sahen wir auch von einer „militanten Anti-Geisterspiel-Schiene“ ab, die teilweise in anderen Ländern Europas herrschte.

Nun steht die neue Saison unmittelbar bevor und die Teilöffnung der Stadien wird – in unserem Fall 10.000 Rapidlern – ermöglichen, den SK Rapid – unter strengen Auflagen – wieder live im Stadion zu erleben. Für uns als aktive Fanszene ist diese Lösung jedoch inakzeptabel. Wir können es nicht mit unseren Werten als Ultras vereinbaren, einem derart irrational reglementierten Treiben beizuwohnen.

Unter den geplanten Umständen lässt sich ein Leben in der Kurve – so wie wir uns das vorstellen – nicht gestalten. Die 90 Minuten bedeuten für uns Freiheit und Unbekümmertheit, in denen man die Liebe zum Verein als Gruppe und als Kurve zum Ausdruck bringt. Intensive Torjubel werden mit Umarmungen zelebriert, traurige Ereignisse zusammen durchgestanden. 90 Minuten Emotionen pur!

Jetzt soll aber die „neue Normalität“ genau diesen Zusammenhalt im Block West verhindern. Wir wollen, können und werden uns damit nicht abfinden.

Deshalb haben wir uns dazu entschieden, bei allen Spielen die Kurve bzw. das Weststadion bis auf weiteres nicht zu betreten. Wir werden uns bei den Heimspielen in Hütteldorf einfinden und hoffen, dass man in dieser tristen und verrückten Zeit einige Rapidler antrifft, um den Kontakt untereinander wieder zu stärken.

Jeder Kenner des Block West weiß, wie schwer uns diese Entscheidung fällt. Es gäbe nichts Schöneres, als an einem Europacupabend „Magischer SCR“ in den Hütteldorfer Abendhimmel zu schreien, während unsere Mannschaft am Spielfeld die Schlacht für sich entscheidet.

Es gibt nichts auf der Welt, um das Gefühl der Freiheit, Energie und Zügellosigkeit, welche wir in einer Kurve erleben, zu ersetzen. Genau diese Eigenschaften waren in all den Jahren mitverantwortlich dafür, dass wir bei Heim- und Auswärtsspielen Unvergessliches erleben durften.

Dieser Text soll jedoch keinen Rapidler dazu auffordern, das Stadion zu meiden, sondern lediglich allen unsere Beweggründe in dieser sehr komplexen Situation verständlich machen. Wir sind natürlich weiterhin für den SK Rapid da und haben auch aus diesem Grund, trotz unserer geplanten „Abstinenz“, unsere Abos für die neue Saison verlängert. An dieser Stelle rufen wir alle Rapidler dazu auf, das Gleiche zu tun. Und all jene, die noch nicht Abonnenten oder Mitglieder des SK Rapid sind: Legt euch ein Abo zu und werdet Mitglied!

Beim Heimspiel am 7. Mai 2005 gegen Admira Wacker zeigten wir eine Choreographie mit dem Wortlaut: Gewisse Emotionen kannst nur du uns geben – Lang lebe Rapid! Exakt diese können wir aufgrund der aktuell herrschenden und paradoxen Corona-Bestimmungen nicht ausleben. Aber diese Emotionen sind das Fundament einer funktionierenden Kurve. Die Basis dafür, unsere Aufgabe als Ultras mit vollster Überzeugung zu erledigen.

Und eines sei all den Kritikern garantiert, die womöglich auf unsere Kapitulation hoffen:
Wir kommen zurück – LAUTER UND INTENSIVER ALS JEMALS ZUVOR!

Ultras Rapid Block West 1988
Tornados Rapid 1996
Green Lions 2003
Lords Rapid 2004
Gladiatori Rapid 2012
SAF 2012

abseits.at Redaktion