Zum Start der 21. Runde in der tipico Bundesliga empfing die Wiener Austria den SCR Altach. Die Hauptstädter standen nach der letztwöchigen Niederlage im... Altachs 3-4-1-2 fehlt die Absicherung – Austria gewinnt Fehlerorgie 5:2
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Alexander Gorgon (FK Austria Wien)Zum Start der 21. Runde in der tipico Bundesliga empfing die Wiener Austria den SCR Altach. Die Hauptstädter standen nach der letztwöchigen Niederlage im Kampf um einen Europacupstartplatz bereits unter Druck, zumal es sich beim Gegner um den Tabellendritten handelte. In einer wahren Fehlerorgie setzten sie sich aber 5:2 durch.

Das Spiel verlief zunächst eindeutig zugunsten der Hausherren. In der Generali Arena gingen sie dank der Tore Fabian Koch und Alexander Gorgon mit 2:0 in die Kabinen, kurz nach der Pause erhöhte Raphael Holzhauser auf 3:0, ehe die Gäste durch einen Doppelschlag von Hannes Aigner zurückschlugen. Gorgons zweites Tor sowie der erste Bundesligatreffer Patrizio Stronati sorgten aber für klare Verhältnisse.

Zentrale Flexibilität nach Baumgartners Radikalumstellungen

FAK-Coach Gerald Baumgartner krempelte seine Mannschaft nach der ernüchternden 0:1-Niederlage gegen den Wolfsberger AC kräftig um. Vance Sikov, Mario Leitgeb, Alexander Grünwald und Daniel Royer mussten zunächst draußen bleiben. Neu in die Startelf rutschten Winterneuzugang Stronati, Holzhauser, Marko Kvasina und Marco Meilinger. Formativ ergaben sich dadurch ebenfalls Unterschiede zum 4-2-3-1, das die Veilchen am vergangenen Wochenende praktizierten. Insbesondere das Zentrum gestaltete sich um einiges fluider.

Kvasina und Holzhauser agierten hinter Solospitze Zulechner, gingen weite Wege. Holzhauser kippte im Aufbauspiel ab um sich die Bälle zu holen, rückte dann zügig auf und positionierte sich meist in Ballnähe. Gegen den Ball spielte der Ex-Stuttgarter relativ hoch und lief nach dem eröffnenden Pass der Altacher als erster Mittelfeldspieler an. Bei Kvasina nutzte man vor allem dessen physische Stärke, indem man ihn entweder mit hohen Bällen fütterte oder ihn als Wandspieler beim Übergang ins Angriffsdrittel einband.

Verbessertes Kombinationsspiel? Mitnichten.

Gegen den passiv auftretenden und defensiv kompakt stehenden WAC hatte die Wiener Austria vor allem Probleme damit, sich klare Chancen herauszuspielen. In diesem Spiel hatten die Veilchen zwar deutlich mehr und qualitativ bessere Torschüsse, die Probleme im Aufbau- und Kombinationsspiel bestanden aber ebenso. Von den 312 Pässen, die die Baumgartner-Elf spielte, fanden nur 63,5% den Mitspieler. In der gegnerischen Hälfte waren es gar nur marginal mehr als die Hälfte (51,5%).

Durch Holzhausers Rolle wurde James Holland in den Hintergrund gedrängt. Der Australier, der normalerweise die erste Anspielstation für die Innenverteidiger ist, hatte nach dem Schlusspfiff lediglich 33 Pässe vorzuweisen. Er stand oft isoliert oder konnte aufgrund seiner technischen Defizite nicht die nötigen eröffnenden Pässe spielen. Wenn die Hausherren zu Möglichkeiten kamen, dann nach individuellen Fehlern oder Umschaltmomenten. Dabei spielte ihnen auch die Altacher in die Karten.

Altach mit Problemen im 3-4-1-2

Die Vorarlberger bestechen in der laufenden Saison vor allem mit ihrer taktischen und formativen Flexibilität. Nach zuletzt einigen Spielen im 4-4-2 wagte Trainer Damir Canadi für diese Partie eine Umstellung und schickte sein Team in einer 3-4-1-2-Grundordnung auf den Rasen. Interessant waren dabei die Abläufe der drei Offensivspieler. Die beiden Stürmer tauschten oft die Seiten und ließen sich phasenweise diagonal nach hinten fallen um den Ball prallen zu lassen.

Patrick Salomon hatte hinter den Spitzen eine ähnlich weiträumige Rolle wie Holzhauser inne. Der 26-Jährige rückte im Pressing zwischen die Stürmer und versperrte das Zentrum. Im Offensivspiel driftete er durch sämtliche Räume, konnte aber kaum Akzente setzen und wurde in der Pause ausgewechselt. Das lag zu Teilen jedoch auch an den beiden defensiven Mittelfeldspielern. Lukas Jäger ist kein spielerisch starker Akteur, Philipp Netzer, die Passmaschine des Aufsteigers, stand oft zu tief.

Fehlende Absicherung und zu flache Staffelung

Das eigentliche Problem der Altacher war aber die fehlende Absicherung gegen die Konter der Austria – insbesondere auf den Außen. Die beiden Flügelverteidiger standen in Ballbesitz sehr hoch, was naturgemäß Räume öffnet. Mit drei Verteidigern hätten die Gäste zwar an und für sich eine bessere Basis um diese Räume zu sichern, hatten gegen Austrias Umschaltmechanismen jedoch meist das Nachsehen. Zulechner, Kvasina und Meilinger ragten dabei besonders heraus.

Die Freiburg-Leihgabe lief die Befreiungsschläge sehr gut an, antizipierte die ersten Kontakte der Altach-Verteidiger gut und konnte so für viel Dynamik sorgen bzw. das Spiel leiten. Er bewegte sich dabei vom Sturmzentrum in die Halbräume und nahm dort Tempo auf. Auch Meilinger positionierte sich in den Halbräumen, sodass diese überladen werden konnten. Da die Altacher die Außenbahnen nur einfach besetzt und im Zentrum Kombinationsprobleme hatten, konnte er dabei auch entsprechend zocken. Kvasina stand zentraler und band damit den Innenverteidiger.

Neben den Halbräumen konnte Altach auch die zentralen Zonen im defensiven Umschaltspiel nicht immer ausreichend absichern. Dies war in erster Linie dann der Fall wenn die Austria weit nach vorne kam. Die Außenverteidiger fielen dann weit zurück, wodurch eine Fünferkette entstand. Die beiden Sechser standen dann relativ eng an dieser Fünferkette, was zu einer sehr flachen Staffelung führte. Da die Austria ein sehr aggressives Gegenpressing aufzog, bei dem die Außenverteidiger hoch und bei Bedarf zentral unterstützten, konnte sich Altach nicht nur nicht befreien, sondern konnte nach Ballverlusten seinerseits keinen Zugriff herstellen.

Canadi nimmt Risiko in Halbzeit zwei

Zur Halbzeit reagierte Canadi und nahm dabei viel Risiko. Für Jan Zwischenbrugger und Patrick Salomon kamen Ismael Tajouri und Marti Riverola. Ersterer übernahm die Rolle des rechten Flügelverteidigers, sodass nun auch diese Seite mit einem eigentlichen Flügelspielers besetzt war. Auf den Halbverteidigerpositionen spielten mit Andreas Lienhart und Ronald Gercaliu zwei nominelle und offensiv ausgerichtete Außenverteidiger. Um die defensive Stabilität im Abwehrzentrum nicht zu sehr zu gefährden, ließ sich Netzer immer wieder weit zwischen den Innen- und einen Halbverteidiger fallen. Dadurch gewährte man der Austria allerdings noch mehr Räume im Umschaltspiel, was diese unter anderem beim dritten Tor nutzte.

Offensiv hatte Altach durch diese Umstellung aber viel Potenzial. Nachdem es in den ersten rund zehn Minuten offensichtliche Probleme gab – kein strukturiertes Aufbauspiel, enorm viele Fehlpässe – konnte dieses entfaltet werden. Riverola zeigte in einigen Szene seine hohe individuelle und taktische Klasse, indem er mit simplen aber gut durchdachten Bewegungen und Pässen Drucksituationen auflösen konnte. Tajouri rückte von der Seite ein unterstützte das Kombinationsspiel in den Halbräumen und spielte den einen oder anderen beschleunigenden Pass in die Tiefe.

Individuelle Fehler en masse

Dass Altach kurzfristig berechtigte Hoffnung auf Punkte hatte, lag letztlich aber den individuellen Fehler von FAK-Tormann Heinz Lindner. Während sein Stellungsspiel beim ersten Gegentor wenigstens noch diskutabel war, war seine Ballverarbeitung beim zweiten schlicht katastrophal. Aber auch auf der anderen Seite gab es individuelle Fehler – sogar in noch höhere Zahl als bei den Wienern. Insbesondere bei den richtungsweisenden Toren war das der Fall.

Vor den ersten beiden Toren agierten Netzer bzw. Jäger zu hektisch. Auch den Verteidigern fehlte bei den Anlaufversuchen der Austria die Ruhe. Nachdem Gercaliu in der Anfangsphase Zulechner den Ball in die Füße spielte, dieser jedoch zu unentschlossen im Strafraum war, stellte sich Benedikt Zech gegen den Austria-Stürmer vor dem 3:0 äußerst ungeschickt an. Auch wenn dieses Spiel den einen oder anderen taktischen Ansatz hatte, so waren es also letztlich die vielen individuellen Fehler, die es zu einem torreichen und kurzweiligen machten.

Alexander Semeliker, abseits.at

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Alexander Semeliker

@axlsem