Es dürfte wohl eine Überraschung sein, dass die Mattersburger gegen die Rieder gewannen. Ohne einige Stammspieler und dazu noch auswärts dürften sich die Oberösterreicher...

Es dürfte wohl eine Überraschung sein, dass die Mattersburger gegen die Rieder gewannen. Ohne einige Stammspieler und dazu noch auswärts dürften sich die Oberösterreicher ohnehin nichts erwartet haben, aber das hohe Ergebnis ist trotzdem ein untragbares Ergebnis – besonders, wenn man die Punkteflauten der Konkurrenz an diesem Spieltag bedenkt. Mit einem Sieg hätten sich die Rieder auf Platz eins der Tabelle schießen können, so vergab man lediglich eine weitere Chance die Krisen der Konkurrenz auszunutzen. Die Gastgeber hingegen konnten sich mit diesem souveränen Sieg bei ihren Fans für die schwache Leistung der letzten Woche entschuldigen und dürfen die drei Punkte zu Hause im Pappelstadion lassen.

Wechselwirkung der jeweiligen Formationen

Die Gäste begannen einmal mehr mit ihrer defensivorientierten Dreierkettentaktik. Reifeltshammer und Co. standen abermals höher, als man es von früheren Spielzeiten gewohnt war und dennoch etwas tiefer, als man es letzte Woche beobachten konnte. Der Grund lag auf der Hand: die Mattersburger attackierten, wie sie es vor dem Spiel versprochen hatten. Basala auf der linken Außenbahn und Ziegl auf der rechten Außenbahn machten das Spiel breit und hätten Pärchen mit den zwei Vordermännern bilden sollen, doch insbesondere Ersterer fand sich kaum zurecht. Ob defensiv oder offensiv, viel zu oft ließ er Räume offen und beinahe wirkte es so, als ob er sich nicht in der Formation orientieren konnte, was auch dazu führte, dass Hadzic viel defensive Laufarbeit in der Horizontale verrichten musste. Zentral in der offensiven Dreierreihe spielte Beichler, der sich oftmals auf die Flügel begab, da er in der Mitte selten Bälle sah. Aufgrund der gegnerischen 4-4-2-Taktik war der Raum dicht und nur schwer konnten Pässe zwischen dem einsamen Hadzic und dem manchmal zu offensiv orientiert wirkenden Beichler gespielt werden. Meilinger und Lexa auf den Außenbahnen suchten ebenfalls die Bindung zum Spiel und obwohl Beichler zu ihnen auswich, fand niemand von den dreien ausreichend und konstant den Schlüssel für das gegnerische Abwehrschloss. Mittelstürmer Zulj konnte zwar einen Treffer erzielen, jedoch wurde er ebenfalls wie die beiden Außenspieler ausgewechselt. Auch die Einwechslung Nachos in der Halbzeit konnte nur bedingt helfen, es sollte letztlich der junge Ziegl sein, der mit einer schnellen Aktion Zuljs Treffer vorbereitete.

Bei den Hausherren konnte man mit einem asymmetrischen 4-4-2 eine veränderte Formation in Hinblick auf die vorherige Woche feststellen. Interessant hierbei war die Rolle Naumoskis, der frei im letzten Drittel driftete und Lücken für sich und seine Pässe suchte. Zwei davon fanden seine Mitspieler in aussichtsreichen Positionen und standen idealerweise für das, was die Mattersburger an diesem Tag stark machte. Es waren der Außenverteidiger Farkas und einmal der Sechser Seidl, welche Nutznießer der taktischen Freiheit Naumoskis waren. Jener Naumoski verschob durch seine Laufwege Räume und war hauptverantwortlich dafür, dass die Rieder Innenverteidigung sich einige Male in 3-gegen-1-Situationen wiederfand. Dies mag zwar positiv für die Verteidiger der Gäste klingen, hat aber einen großen Haken: die Überzahl des Gegners im Mittelfeld. Mit Seidl und dem defensiv orientierten Ilsanker hatte man ohnehin ein Übergewicht im Zentrum und konnte das Spiel bei Bedarf kontrollieren, allerdings hatten die Mattersburger anderes vor. Sie spielten möglichst schnell und vertikal nach vorne, um nicht dem Verteidigungspressing der Rieder zu verfallen. Damit dies auch effektiv war, beteiligten sich die Außenstürmer stark am Spiel im letzten Drittel und die Außenverteidiger rückten auf, um die Außenspieler Rieds zurückzudrängen. Damit war man nicht nur vor schnellen Kontern, eine der Stärken der Gastmannschaft, geschützt, sondern konnte sich in der Offensive auf noch mehr Durchschlagskraft freuen. Teilweise wirkte die Formation der Gastgeber wie ein 2-3-4-1, in welchem die Innenverteidiger absicherten. Der ballnahe und ballferne Außenverteidiger würden sich beim Aufrücken höchst interessant abwechselten: je nach Spielsituation und gegnerischen Spielern in Ballnähe würden sie entweder die andere Seite besetzen, um Spielverlagerungen zu ermöglichen oder eben hinterlaufen und den Weg zur Grundlinie öffnen. Der jeweils andere blieb dann mit der Doppelsechs, welche sich seltener dermaßen offensiv aufteilte, auf einer Höhe. Hinter dem Mittelstürmer befand sich also mit Naumoski und den beiden Außenstürmern eine Viererkette, welche bei Bedarf gegenpresste oder den gegnerischen Gegenstoß zumindest auf das nominell unterlegene Zentrum lenkte.

Zu viel Raum, zu viele Löcher …

…ließen die Gäste ihrem Gegner. Problematisch wird dies, wenn das System vom Verteidigungspressing lebt und offensiv auf ein schnelles Umschalten setzt. Da der Gegner viel Zeit am Ball hat, verläuft das Pressing im Sande und man hinterlässt eine Unordnung in der eigenen Abwehr, ohne reelle Chance auf Ballgewinn. Die Mattersburger setzten noch einen drauf, indem sie mit einer numerischen Überlegenheit im Zentrum und einem effektiven Ausschalten der Offensivbemühungen der Außenstürmer den Riedern Ballbesitz in deren Hälfte schenkten, sie aber in der eigenen bedrängten. Dazu muss aber gesagt sein, rückten die Außenverteidiger Rieds auf, sah das ganze letztlich anders aus und wären Aktionen wie von Ziegl öfter vorgekommen, hätte das Ergebnis ein ganz anderes sein können. Wichtig auch, dass durch die hohen Außenverteidiger und die kompakte Zentrale einige Schnittstellen bei den Riedern offen wurden, welche Mattersburg zu seinem Vorteil nutzte. Mit fast dreimal so vielen Torversuchen ließ man trotz Anschlusstreffer keinen Zweifel daran, wer hier die überlegene Mannschaft war.

Fazit

Ein überraschender, aber verdienter Sieg für die Gastgeber. Die SV Ried mag zwar personell geschwächt sein, dennoch hätten sie hier eigentlich gewinnen müssen. Diese fehlenden drei Punkte sind in Hinblick auf die Tabellenkonstellation umso bitterer, da man sich nun mental eingestehen musste, ebenfalls wie die Konkurrenz zu schwächeln. Es fehlte an der taktischen Ordnung und der individuellen Stärke, um dieses Spiel gegen gute Mattersburger auswärts gewinnen zu können.

RM schreibt auch für spielverlagerung.de

Rene Maric

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