Der Sieger von Sturms Europa-League-Gruppe musste sich im Sechszehntelfinale gegen Austrias Gruppengegner AZ Alkmaar zweimal geschlagen geben und ist damit ausgeschieden. abseits.at wirft einen... Anderlechts offensive Grenzen – Alkmaar wirft Sturm-Gegner aus der Europa League

Der Sieger von Sturms Europa-League-Gruppe musste sich im Sechszehntelfinale gegen Austrias Gruppengegner AZ Alkmaar zweimal geschlagen geben und ist damit ausgeschieden. abseits.at wirft einen Blick auf Anderlechts Offensivbemühungen im Rückspiel.

Nach dem Hinspiel hatte der ehemalige schwedische Nationalspieler und ehemalige Kapitän des RSC Anderlecht Pär Zetterberg gesagt: „Ich dachte, dass Anderlecht sogar in Alkmaar gewinnen würde, da sie in dieser Saison ein sehr gutes Team haben. Dabei bleibe ich auch und deswegen glaube ich, dass Anderlecht die Situation heute Abend noch umbiegen kann. Anderlecht sollte jedoch aufs Feld kommen mit dem Gedanken, dass man zwei Tore machen möchte.“ Der einstige Spielgestalter war also trotz der Niederlage in Alkmaar davon überzeugt, dass Anderlecht den Aufstieg schaffen würde: „Anderlecht hat so viele Optionen um einen Treffer zu erzielen. Das macht es für den Gegner sehr schwer.“

Stimmungsvoller Beginn

Auch ein Großteil der 25.000 Zuschauer, die ins Constant Van den Stock-Stadion von Anderlecht gekommen waren, um das belgisch-niederländische Duell zu sehen, wird daran geglaubt haben. Zumindest die Anderlecht-Fans in der Gegengerade, sie begrüßten mit kollektiven Schwingen kleiner violett-weißer Fahnen ihre Mannschaft. Die Unterstützung war nicht nur sichtbar, sondern auch hörbar. Die Fanlager beider Teams erzeugten eine prächtige Stimmung. Von der Atmosphäre sichtlich beflügelt startete Anderlecht druckvoll in die Partie. Die von Trainer Ariel Jacobs trainierte Mannschaft lief mit einer 4-4-2-Formation auf, die der bislang üblichen 4-2-3-1-Variante glich. Shootingstar Matias Suarez ließ sich als Sturmspitze entweder ins Zentrum zurückfallen oder verschob, vor allem gegen Ende des Spiels, häufig auf die Seiten. Alkmaar-Trainer Jose Riga setzte auf ein defensives 4-3-3, bei dem die drei zentralen Mittelfeldspieler defensiv agierten, um Anderlecht-Angriffe durch die Mitte zu unterbinden.

Beflügelte Offensive

Unmittelbar nach Anpfiff begegnete Alkmaar den im Ballbesitz befindlichen Belgiern mit Angriffspressing. Genau damit wussten sie auch in den ersten Minuten umzugehen. Mit vertikalem Passspiel überbrückte Anderlecht Alkmaars Mittelfeld schnell und kam so durch Stürmer Dieumerci Mbokani zur ersten Torchance, der aber am Torhüter der Niederländer Esteban scheiterte. Mit Fortdauer des Spiels beschränkte sich Alkmaar auf das Konterspiel, während Anderlecht das Spiel zunehmend kontrollierte. Im Spiel nach vorne verfolgte der belgische Rekordmeister dabei vor allem folgende Strategien. Einerseits probierte es Anderlecht mit Kombinationen über die Flügel, bei dem die jeweiligen Außenverteidiger und Flügelspieler von der hängenden Spitze und dem zentralen Mittelfeld unterstützt wurden. Torchancen ergaben sich allerdings vor allem dann, wenn Anderlecht versuchte vertikale Pässe zu schlagen: Nach einem hohen Pass in die Mitte scheiterte Mbokani abermals am starken Esteban.

Erfolgloses Flankenspiel

Eine weitere Strategie, die Anderlecht mit Dauer des Spiels verstärkt praktizierte erwies sich als weniger fruchtbar: Anderlecht probierte es mit frühen Flanken kurz nach der Mittellinie. Das rührt daher, dass Anderlecht in der Offensive über Kopfballstarke Spieler wie Stürmer Mbokani und Rechtsaußen Guillaume Gillet verfügt. In diesem Spiel fanden die Flanken jedoch kaum einen Abnehmer. Erst in der Schlussphase konnte Anderlecht damit für Gefahr sorgen, als Mbokani mit dem Kopf die Latte traf. Chancen hatte Anderlecht in der ersten Halbzeit genügend, Matias Suarez traf mit einem feinen Volleyschuss vor dem Strafraum nur die Stange. So gingen beide Teams mit einem 0:0 in die Pause. Anderlecht verlor in der zweiten Halbzeit die Kontrolle über das Spiel, das von harten Zweikämpfen und Fehlpässen geprägt war.

Planlose Alleingänge

Anderlecht fand nicht mehr ins Spiel und das lag daran, dass man sich in der Offensive auf die individuelle Klasse verließ. Der zitierte Zetterberg hat noch gesagt: „Wenn jemand außer Form ist oder einen schwierigen Abend erlebt, steht immer jemand bereit um den Unterschied zu machen. Von den vier Stürmern Jovanovic, Mbokani, Suarez und Gillet ist immer jemand, der trifft.“ Die genannten Offensivspieler verfügen über technische und spielerische Klasse, fanden in der zweiten Halbzeit allerdings nicht mehr zu einander. Die Angriffsbemühungen endeten häufig damit, dass es einer der Offensivakteure schon ab der Mittelauflage mit dem Alleingang auf der Seite und nicht, wie in der ersten Halbzeit, mit dem Kombinationsspiel probierte. Alkmaar hatte keine Probleme damit eine Überzahl herzustellen und den Ball wieder zu gewinnen. Die Ballverluste häuften sich und so auch die Kontermöglichkeiten der Niederländer. Aus einem solchen Konter ergab sich ein Freistoß, der dann zur Flanke führte, die die 1:0 Führung Alkmaars durch Maarten Martens ermöglichte. Sichtlich geschockt von der Vorstellung drei Tore schießen zu müssen, agierte Anderlecht bis zum Schlusspfiff völlig planlos: Außer frühen Flanken und Alleingängen fiel den Belgiern nichts mehr ein. Die genannten Offensivakteure Anderlechts konnten keine Wende mehr herbeiführen. Auch Kapitän und Spielgestalter Lucas Biglia konnte aus dem Zentrum keine Akzente setzen.  Alkmaar gewann nach einem starken Hinspiel auch das Rückspiel mit 1:0.

Die ehemalige Klublegende Pär Zetterberg hat also nicht Recht behalten. Potenzial hat Anderlechts Mannschaft mit Sicherheit. Allerdings schien sie zu wenige Optionen in der Offensive zu haben, zumindest zu wenige, um ins Achtelfinale der Europa League einziehen zu können. Ideen, die einst ein Pär Zetterberg als Spielgestalter geliefert hatte, die fehlten Anderlecht an diesem Abend.

Emanuel Van den Nest, abseits.at

Emanuel Van den Nest

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