In dieser Serie widmen wir uns ehemaligen Fußballturnieren, die es aus verschiedensten Gründen heute nicht mehr gibt. Den Auftakt in dieser Serie macht die... Football history – vergessene Turniere (Teil 1: British Home Championship)

In dieser Serie widmen wir uns ehemaligen Fußballturnieren, die es aus verschiedensten Gründen heute nicht mehr gibt. Den Auftakt in dieser Serie macht die „British Home Championship“, ein altehrwürdiges Turnier, welches immerhin 100 Jahre lang auf den britischen Inseln ausgetragen wurde.

Wie alles begann

In den 1880er Jahren häuften sich im damaligen „Vereinigten Königreich von Großbritannien und Irland“ die Duelle unter den einzelnen Verbänden (England, Schottland, Wales und Irland). Da es zu dieser Zeit noch keine einheitlichen Regeln gab, wurden bei jedem Spiel die Regeln des Gastgeberverbandes angewendet.

Um dies zu verbessern trafen sich im Jahre 1882 in Manchester Vertreter der vier Verbände. Es kam dort zur Gründung des bis heute bestehenden International Football Association Board (IFAB). Dieses Gremium tritt bis heute als Regelhüter des Fußballs auf. Außerdem kam es zur Formalisierung der Freundschaftspiele der vier Verbände und so wurde die British Home Championship (BHC) ins Leben gerufen.

Der Modus

Die BHC wurde jährlich ausgetragen. Jede Mannschaft spielte einmal gegen jedes der anderen drei Teams. Der Heimvorteil wurde jährlich getauscht. So dass man bei den drei Begegnungen entweder ein- oder zweimal ein Heimspiel hatte.

Die siegreiche Mannschaft erhielt zwei Punkte, für ein Remis gab es einen Punkt. Die Mannschaft mit den meisten Punkten war Sieger der British Home Championship. Hatten mehrere Mannschaften die gleiche Punkteanzahl gab es geteilte Meisterschaften und mehrere Teams durften sich Champions der BHC nennen. Erst ab 1978 wurde die Tordifferenz sowie Anzahl der geschossenen Tore bei Punktegleichstand herangezogen. Ab dann gab es keine geteilten Meisterschaften mehr.

Englisch-schottische Dominanz zu Beginn

Das erste Turnier 1884 konnte Schottland für sich entscheiden. In den nächsten Jahren bis 1902 kamen die Sieger ausschließlich entweder aus England oder Schottland. Erst 1903 konnte mit Irland eine andere Mannschaft eine Meisterschaft erringen – allerdings geteilt mit England und Schottland. In den Folgejahren waren diese beiden Mannschaften weiterhin dominant, nur hin und wieder konnten auch Irland und Wales ein Wörtchen um den Titel mitreden.

Unterbrechung durch Weltkriege

1914 erlebte die BHC eine erste Unterbrechung durch den 1. Weltkrieg. In den Zwischenkriegsjahren gab es das jährliche Aufeinandertreffen der vier „Home Nations“ wieder. Aber nur bis der 2. Weltkrieg neuerlich eine Aussetzung des Turniers bedingte. Nach dem 2. Weltkrieg avancierte England zum Seriensieger und konnte die meisten Turniere für sich entscheiden.

Die Irland-Frage

Durch die Teilung Irlands 1921 in die Republik Irland und in den weiterhin zum Vereinigten Königreich gehörenden nordirischen Landesteil kam die Frage auf, wie es nun mit der Teilnahme der irischen Mannschaft weiterging. Der bis dahin bestehende irische Fußballverband IFA war nun genau genommen nur noch für Nordirland zuständig, während ein zweiter irischer Fußballverband (die FAI) für die Republik Irland gegründet wurde. Der nun nordirische Verband, war derjenige der weiterhin an der BHC teilnahm. Jedoch berief der Verband Spieler von der gesamten irischen Insel ein und trat auch unter dem Namen „Irland“ bei der BHC an.

Daher kam es zunächst zu keinen Änderungen aus sportlicher Sicht, da es sich ja weiterhin um eine gesamt-irische Nationalmannschaft handelte. Jedoch verbot die FIFA 1954 diese Vorgehensweise und es durften nur noch Spieler aus Nordirland in die Nationalmannschaft einberufen werden. Von da an handelte es sich um eine reine nordirische Mannschaft, die noch bis 1976 unter dem Namen „Irland“ an der BHC teilnahm und erst danach auch formell als Nordirland partizipierte.

Das Ende der British Home Championship

Das Turnier wurde von der Welt- und Europameisterschaft mehr und mehr überschattet und so verlor die BHC auch an Prestige. Des Weiteren sorgten sinkende Zuschauerzahlen, Hooliganismus, Terminschwierigkeiten und auch der Konflikt in Nordirland (1981 musste das Turnier deswegen sogar abgebrochen werden) zur Einstellung des Turniers. Als England und Schottland 1983 ankündigten, in Zukunft nicht mehr an der BHC teilnehmen zu wollen, war klar, dass die BHC keine Zukunft mehr hatte.

Das letzte Turnier endete 1984 und brachte Nordirland als Sieger hervor. Die Trophäe der BHC ist bis heute noch in Besitz des nordirischen Verbandes. Über die gesamte Turniergeschichte gesehen war England mit 54 Meisterschaften (davon 20 geteilte) am erfolgreichsten.

Idee einer Wiedereinführung und „Nations Cup“

In den letzten Jahren gab es immer wieder Vorschläge das Turnier wieder aufleben zu lassen. Argumente dafür waren der Rückgang des Hooliganismus und dass eine britische Meisterschaft interessanter wäre als internationale Freundschaftsspiele.

Wales, Schottland und Nordirland dachten schon länger über ein gemeinsames Turnier nach, welches dann 2011 unter dem Namen „Nations Cup“ zum ersten Mal stattfand. England war zwar auch eingeladen, doch man lehnte eine Teilnahme ab. Stattdessen nahm die Nationalmannschaft der Republik Irland teil. Alle Spiele fanden im Aviva Stadium in Dublin statt. Gastgeber Irland sicherte sich mit drei Siegen den Turniersieg. Der Nations Cup wird zukünftig alle zwei Jahre ausgerichtet. 2013 soll das Turnier in der walisischen Hauptstadt Cardiff stattfinden.

fußboller, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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