Der letzte Spieltag der österreichischen Bundesliga versprach Hochspannung bis zum Schluss. Die Austria ging dabei als Tabellenvierter in das letzte Spiel mit der Hoffnung,... Analyse: Austria verliert und gewinnt zugleich

Der letzte Spieltag der österreichischen Bundesliga versprach Hochspannung bis zum Schluss. Die Austria ging dabei als Tabellenvierter in das letzte Spiel mit der Hoffnung, nach Spielende den dritten Tabellenrang zu erlangen. Dafür brauchte es jedoch einen Sieg beim starken LASK, der bereits seit längerem als Vizemeister feststeht, und einen gleichzeitigen Ausrutscher von Konkurrent WAC. Der LASK hingegen sorgte im Vorfeld der Partie für etwas Wirbel, da man eine Einladung des Arsenal FC zu einem Testspiel annahm und wenige Tage vor diesem Spiel nach London reiste. Doch letztlich sollte das keine wirkliche Rolle spielen, wie man nach dem Schlusspfiff feststellen konnte.

Wer hat das bessere 3-4-3?

Der LASK musste beim letzten Spiel auf mehrere Stammkräfte verzichten, worunter Leistungsträger wie Goiginger, Trauner oder Holland waren, weshalb man kadertechnisch etwas gebeutelt war. Auf der anderen Seite musste Austria-Trainer Ibertsberger auf den gesperrten Jeggo verzichten, für den der junge Demaku in die Mannschaft rückte. Beide Teams setzten dabei auf das seit längerem praktizierte 3-4-3 System, womit es auch gewissermaßen zum „Duell der Systeme“ kam.

Beide Mannschaften versuchten eine ähnliche Spielanlage zu praktizieren, wodurch sich von Anfang an eine von Zweikämpfen und ein von Intensität geprägtes Spiel entwickelte. Die Austria erwischte dabei einen Blitzstart und ging bereits nach wenigen Minuten durch ein schönes Weitschusstor von Matic in Führung. Dadurch stand man zwischenzeitlich auf Platz 3 und die Gruppenphase der Europa League schien zum Greifen nahe. Die Austria ließ mit der Führung im Rücken den LASK nun etwas kommen und versuchte vor allem in der Defensive stabil zu stehen. Dabei sah es der Matchplan der Violetten vor, speziell mittels direkten Zuteilungen und Mannorientierungen Zugriff herzustellen. Durch das „Spiegeln“ des Systems vom LASK, hatte jeder auch einen klaren Gegenspieler auf seiner Position und gab es dahingehend wenige Unklarheiten.

Die erste Pressinglinie bzw. die drei Stürmer der Austria kümmerte sich um die Dreieraufbaureihe des LASK, wobei man die Linzer nicht aggressiv anlief, sondern meist aus den Positionen stach und die Verteidiger versuchte, in eine Richtung zu lenken.  Die beiden Sechser der Gastgeber wurden dabei von den gegnerischen Sechsern markiert, wobei Kapitän Grünwald auch auf den spielmachenden Michorl legte und sich auch mal tiefer aufhielt, um ihn abzudecken. Die Austria versuchte damit, eine saubere Ballzirkulation der Linzer zu unterbinden und sie auf den Flügel zu drängen, wo man dann aggressiv zu Ball verschob. Situativ presste man auch mal höher und schob weit nach vorne, um einen hohen Ballgewinn zu erzwingen und den Rhythmus des Spiels etwas zu verändern. Es war jedoch auch einiges an Gefahr im Defensivverbund der Wiener zu erkennen, da die Verteidiger teilweise sehr weit aus ihren Positionen stachen und so Löcher in der letzten Linie öffneten – wie etwa bei der ersten Schusschance des LASK.

Der LASK kam so von Beginn an zu wesentlich mehr Ballbesitz als der Gegner. Man tat sich jedoch äußerst schwer, konstruktiv und gepflegt nach vorne zu kommen, weshalb man viele langen Bälle auf die drei Angreifer spielen musste, die mit diesen Bällen jedoch wenig anfangen konnten. Darüber hinaus schlichen sich auch immer wieder Ballverluste ein, weshalb die Austria auch zu einer guten Gelegenheit nach einer Balleroberung im Spielaufbau des Gegners kam, als Demaku den Ball eroberte und Prokop zum Abschluss kam. Erst nach und nach arbeitete man sich etwas besser in dieses Spiel hinein, wobei man vor allem über das eigene Gegenpressing und die Umschaltaktionen Gefahr andeutete. Darüber hinaus fand vor allem Flügelverteidiger Ranftl immer öfter Lösungen über seine Seite und konnte speziell mit seinen diagonalen Zuspielen immer wieder den Ball in den Zwischenlinienraum anbringen und damit den Angriffsvortrag erleichtern.

Meist stand die Austria jedoch diszipliniert in der eigenen Hälfte und verteidigte den eigenen knappen Vorsprung. Spielerisch konnten die violetten Gäste nicht wirklich Akzente setzen und gegen das Pressing der Linzer tat man sich schwer, einen sauberen Spielaufbau aufzuziehen. Torhüter Lucic wurde sehr oft eingebunden und sammelte viele Ballkontakte, wodurch man zumindest optisch etwas mehr Ballbesitz verbuchen konnte. In Wirklichkeit hielt man das Spielgerät meist nur kurz in den eigenen Reihen und konnte den Ball kaum über mehrere Stationen laufen lassen. Kapitän Grünwald versuchte sich daher mit Fortdauer der Partie weiter zurückfallen zu lassen und so dem Ballbesitzspiel seiner Mannschaft so etwas Struktur zu verleihen, doch großartig veränderte sich die Dynamik dadurch nicht.

Der LASK dagegen wurde immer griffiger und schaffte es, die erste Pressinglinie des Gegners öfter zu umspielen. So kam man dann auch nach einer schönen Angriffsaktion zu der großen Chance auf den Ausgleich, die Stürmer Tetteh jedoch alleine vor dem Tor ausließ und am gegnerischen Torhüter scheiterte. Die Austria brachte dadurch die knappen Führung in die Halbzeitpause und als Tabellendritter ging es zum Pausentee.

Austria entgleitet das Spiel völlig

Nach dem Wiederanpfiff ließ der scheidende LASK-Trainer Glasner aufhorchen, indem er mit Frieser einen Offensivspieler für Verteidiger Ullmann ins Spiel brachte. Damit war die Devise für die zweite Halbzeit auch klar – nämlich volle Attacke. Das System blieb dabei gleich und Frieser sollte über den rechten Flügel Druck machen, während Ranftl auf die linke Seite wechselte. Darüber hinaus gab es auch recht schnell weitere Anpassungen in der Offensive zu sehen. Durch die hohe Positionierung der Flügelverteidiger, konnten die Stürmer stärker ins Zentrum einrücken und den dortigen Raum besetzen. Dabei wies sie ihr Trainer scheinbar an, miteinander öfter zu Kreuzen und sich fallen zu lassen, um die Gegenspieler zu verwirren und gezielt aus ihren Positionen zu ziehen.

Das klappte auch kurz nach dem Wiederanpfiff äußerst gut und Tetteh brachte seine Mannschaft zurück ins Spiel. Tetteh ließ sich zunächst fallen, wurde von Madl mannorientiert verfolgt,  was Tetteh schnell erkannte und prompt mit einer Gegenbewegung in die Tiefe startete und Madl davonlief. Michorl wurde aus dem Mittelfeld nicht wirklich unter Druck gesetzt und konnte den Chip auf Tetteh spielen, der alleine vor dem Tor die Ruhe behielt und zum 1:1 traf. Wenig später kam es für die Austria sogar noch dicker, denn nach einem ähnlichen Muster spielte sich der LASK erneut nach vorne und erzielte letztlich den 2:1 Führungstreffer, womit man das Spiel in kürzester Zeit drehte. Damit war die Austria vom dritten, auf den fünften Platz abgerutscht und hätte damit das Playoff bestreiten müssen, da Sturm gegen den WAC führte. Die violetten Gäste erholten sich auch nicht wirklich von diesem Schock und wirkten teilweise völlig von der Rolle, weshalb der LASK zu weiteren Chancen kam, um noch einen weiteren Treffer zu erzielen und den Vorsprung auszubauen.

Austria-Trainer Ibertsberger reagierte und flott und brachte nicht nur Sax in die Partie, sondern auch Edomwonyi, wodurch sich das System zu einem 4-2-3-1/4-3-3 veränderte, da Monschein auf den rechten Flügel ging und Grünwald hinter der Spitze positioniert wurde. Die Austria kam durch die Umstellung auch dann zu zwei Top-Chancen, die Monschein jedoch nicht verwerten konnte. Es wurde immer mehr ein offener Schlagabtausch mit Offensivaktionen auf beiden Seiten und den Zuschauern wurde einiges geboten. Die Austria brauchte dringend den Ausgleichstreffer, um mit dem Punkt zumindest den vierten Platz abzusichern und die Chancen auf den dritten Platz zu erhalten. Stattdessen fing man sich das 3:1 und hing der Traum von Europa am seidenen Faden und es schien so, als müsste man tatsächlich doch noch das Playoff um den internationalen Startplatz bestreiten. Zwar verkürzte Monschein nochmal auf 2:3 und machte es kurzzeitig Spannend, doch der LASK schlug mit einem Doppelschlag erneut zurück und machte mit dem 5:2 den Deckel auf die Partie drauf.

Zum Glück der Violetten, drehte der WAC die Partie gegen Sturm doch noch in den letzten zehn Minuten und schickte so Sturm in das Playoff und die Austria auf den vierten Platz, wodurch die Violetten nach dem Schlusspfiff  –  trotz sichtlichem Ärger über die schwache zweite Halbzeit – doch noch mit den Fans jubeln und feiern konnten und die verkorkste Saison auf dem letzten Drücker mit diesem Tabellenplatz doch noch etwas retteten.

Fazit

Wenn man die Saison der Austria beschreiben müsste würde dieses Spiel als Erklärung reichen. Man zeigte gute Ansätze im ersten Durchgang, verlor dann völlig den Faden und den Kopf und ließ sich vom LASK teilweise überrennen, um dann doch noch irgendwie das gesteckte Ziel zu erreichen und den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Damit bleibt zwar der Ärger unter den Austria-Fans über diese katastrophale zweite Halbzeit im Magen hängen und wird nicht so leicht zu verdauen sein, doch in einigen Tagen wird die Freude über die Qualifikation für das internationale Geschäft überwiegen, wie man auch anhand der Reaktion der mitgereisten Fans sehen konnte, die diese Tatsache lautstark bejubelten und feierten. So rette man dann diese verkorkste Saison dann doch noch irgendwie auf dem letzten Drücker und kann sich nun auf die neue Saison freuen, in der man nach einem Jahr Pause wieder durch Europa fahren darf.

Dalibor Babic, abseits.at

Dalibor Babic