In den frühen 90er-Jahren trat Kolumbien das erste Mal in den Fokus der breiten Fußballwelt. Damals spielten die Cafeteros einen ansehnlichen, mutigen, taktisch interessanten... Eines der flexibelsten Teams der WM: Das ist die Spielweise Kolumbiens

James Rodriguez - KolumbienIn den frühen 90er-Jahren trat Kolumbien das erste Mal in den Fokus der breiten Fußballwelt. Damals spielten die Cafeteros einen ansehnlichen, mutigen, taktisch interessanten Offensivfußball. Die aktuelle Generation agiert strukturierter, verfügt in der Offensive aber ebenso über enormes Potenzial und spielt aggressiv.

Angesichts des enormen Offensivpotenzials ist Kolumbien naturgemäß bestrebt, das Spiel zu bestimmen und hoch zu spielen, auch wenn es angesichts der Probleme in der Innenverteidigung nicht immer optimal scheint. Wichtig ist daher ein gutes Gegenpressing, zu dem die Kolumbianer durchaus in der Lage sind. Insbesondere die zentralen Mittelfeldspieler betreiben ein aggressiv Gegen- und Rückwärtspressing. Im offensiven Umschaltspiel hat man mit Juan Cuadrado einen explosiven Flügelspieler und James Rodriguez jemanden, der quasi alle Aufgaben übernehmen kann. Gerade der Monaco-Akteur ist jemand, der das Spieltempo bestimmen kann.

Pressing-8

Die defensive Stabilität isoliert betrachtet könnte eine Problemstelle werden. Die Innenverteidigung wird von langsamen Spielern gebildet, deren Antizipationsfähigkeit auch nicht auf Topniveau ausgeprägt ist. Auch die Außenverteidiger sind defensiv nicht höchststabil, sondern haben ihre Stärken im Aufrücken. Daher greift Pekerman gerne auf eine defensiv starke Doppelsechs zurück und könnte angesichts der offensiv ausgerichteten Gruppengegner von der Elfenbeinküste und aus Japan sein Team in einer defensiveren 4-2-3-1-Formation aufbieten. In der Qualifikation gab es sogar ein 3-5-2 zu sehen. Das Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ könnte in diesem Fall also durchaus zutreffen.

Stabilität-5

Die Cafeteros zählen wohl zu den flexibelsten Teams der WM, sowohl von den physischen als auch taktischen Anlagen. Im Aufbauspiel können sie entweder den Ball vertikal nach vorne spielen oder in Fredy Guarin einen pendelnden Spieler aufbieten. Die Qualitäten von Rodriguez, der quasi alle Fähigkeiten des erfolgreichen Offensivspiels vereint, wurden bereits mehrfach ausgeführt. Im Angriff hat man so die Möglichkeit mit einer klassischen, physisch dominanten Doppelspitze zu spielen, ohne gleichzeitig Gefahr zu laufen, die Anbindung zu verlieren. Andererseits gibt der Kader auch zusätzliche verbindende Elemente im Sturm her. Auf den Außenbahnen hat man zudem Spieler, die entweder gut flanken oder torgefährlich nach innen ziehen können.

Flexibilität-9

Bei aller Euphorie um die fußballerischen Qualitäten, die die kolumbianische Mannschaft mitbringt, darf man auch die weiteren Entscheidungsfaktoren nicht vergessen. Die klimatischen Bedingungen dürften den Kolumbianer wohl weniger zu schaffen machen als den meisten anderen Teams. Vielmehr könnte die Last, erneut als Geheimtipp gehandelt zu werden, hemmen. Mit Falcao könnte ein Spieler wegbrechen, der viel Verantwortung tragen würde und könnte. Rodriguez ist ein überragender Kicker, hat aber quasi keine Erfahrung auf derart hohem Niveau. Auf die Innenverteidigung würde dies zutreffen, jedoch entspricht sie nicht den Anforderungen einer Weltmeister-Mannschaft.

Stimmung-4

Während Kolumbien sich fußballerisch also vor kaum jemanden verstecken müsste, sind es vor allem psychische Komponenten, die die in die Mannschaft gesetzten Erwartungen verhindern könnten. Bei den meisten Spielern steht die Routine im umgekehrten Verhältnis zu den fußballerischen Qualitäten. Das Überstehen der Gruppenphase sollte für die Südamerikaner absolut realistisch sein, in einem möglichen Viertelfinale könnte allerdings Gastgeber Brasilien warten, was in jeder Hinsicht eine sehr hohe Hürde wäre.

Gesamtwertung-Kolumbien

Mögliche Aufstellungen

Jose Pekerman ließ sein Team in der Qualifikation meist in einem 4-2-2-2 spielen und wird dies wohl auch bei der WM machen. Die Flügel übernehmen dabei verschiedene Aufgaben und die Doppelsechs ist vor allem auf Stabilität ausgelegt. Für mehr spielerische Qualitäten könnte Pekerman auf Guarin zurückgreifen. Im Sturm haben wir ein Fehlen von Falcao unterstellt, an dessen Stelle Martinez rückt und von Gutierrez unterschützt wird.

Kolumbien-4-2-2-2

Gegen offensiv dominantere Teams ist auch ein 4-2-3-1 denkbar. Rodriguez würde dafür auf die Zehnerposition rutschen und Gutierrez seine Rolle am Flügel übernehmen. Als Alternative stünde auch Muriel bereit.

Kolumbien-4-2-3-1

Bei der zweiten Garnitur hat man vor allem im Angriff eine große Auswahl, allerdings gehen einem in der Viererkette die Alternativen aus, da nur drei Außenverteidiger im Kader stehen. Als Notnagel wurde daher Alvarez nach außen geschoben, wodurch ein stark asymmetrisches Gebilde entstehen würde. Das setzt sich auf den Offensivpositionen fort: Bacca würde als Stürmer von außen nach innen spielen und Quintero situativ in die Mitte rücken. Durch zusätzliche Ausweichbewegungen des linken Sechsers würde dadurch ein 4-3-3 entstehen.

Kolumbien-4-2-2-2-B

Alexander Semeliker

@axlsem

Keine Kommentare bisher.

Sei der/die Erste mit einem Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.